
Pädagogisches Personal fehlt hinten und vorne. Während Politiker und Lehrervertreter nach Lösungen suchen, erzählt eine Direktorin, wie schlimm der Mangel wirklich ist.
„Die Lage macht mich sehr nervös. Zwei Studenten haben an unserer Volksschule Klassen übernommen. Diese Aufgabe sollten aber eigentlich fertig ausgebildete Lehrer übernehmen. Aber die fehlen“, sagt Elisabeth Seelmann-Kriegl, Direktorin der Volksschule Maxglan 1 in der Stadt Salzburg.
Laut Bildungsminister Martin Polaschek ist die Lösung ganz einfach: Quereinsteiger könnten nach kurzer Ausbildung bereits unterrichten. Doch auch das dauert noch zu lange, wie Landesrätin für Bildung Daniela Gutschi (ÖVP) findet. „Wir müssen die Ausbildungszeit verkürzen und den Lehrerberuf attraktiver gestalten“, sagt sie im Gespräch mit der „Krone“.
Die Politik tut so als wäre das Problem plötzlich da. Die Pensionierungswelle hat sich schon aber schon vor zehn Jahren abgezeichnet.
Helmuth Schütz, Elternvertreter für mittlere und höhere Schulen
Obwohl ein Quereinstieg dem Mangel in geringem Maße entgegenwirken könnte, kritisieren Lehrer- wie Elternvertreter diesen Lösungsansatz. „Ich bin skeptisch gegenüber Quereinsteigern, weil die Qualität darunter leidet. Das kann nicht die Lösung sein“, sagt Helmuth Schütz, Elternvertreter in Salzburg. Laut Schütz und Lehrervertreterin Christine Haslauer zeichnete sich der Mangel bereits seit über zehn Jahren ab. „Die Politik tut so als wäre das Problem plötzlich da, aber wir haben damals schon davor gewarnt“, kritisiert Haslauer.
Mehr als 280 offene Stellen für den Lehrerberuf
Neben einer hohen Pensionierungswelle, die Salzburg aktuell trifft, reduzieren viele Lehrer überdies ihre Stunden. „Derzeit haben wir mehr als 280 Lehrer-Stellen ausgeschrieben. Viele wollen nur mehr Teilzeit arbeiten“, sagt Gutschi. In jedem Fach fehle es an Pädagogen, am schlimmsten treffe es die Hauptfächer und Naturwissenschaften.
Wir müssen die Studenten aufklären, in welchen Fächern Personal gebraucht wird. Das sollte schon vor dem Studium klar sein.
Daniela Gutschi (ÖVP), Landesrätin für Bildung
„Der Mangel wird leider nicht weniger werden“
Elisabeth Seelmann-Kriegl sucht für den Herbst noch drei Lehrkräfte. Ob sie die auch bekommt, bezweifelt die Direktorin. Obwohl es Studenten gäbe, die nach dem Bachelor eine Stelle übernehmen könnten, bleiben viele noch an der Uni. „Innerhalb von fünf Jahren müssen sie nämlich den Master noch machen“, weiß Seelmann-Kriegl.
Laut Statistik Austria wird die Bevölkerung bis neunzehn Jahren, sprich im schulfähigen Alter, bis 2034 um fast drei Prozent ansteigen. Die Zahl der Berufsfähigen hingegen wird in den kommenden Jahrzehnten um 10 Prozent fallen.















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