„Krimi“ um Paragleiter

„Dank echter Freunde bin ich noch am Leben“

Tirol
06.07.2022 20:30

Schwerst verletzt und hilflos lag ein Paragleiter-Pilot auf einem Bergkamm im Gschnitztal. Gefunden wurde er nicht von professionellen Einsatzkräften, sondern von drei Freunden, die bei der Suche hartnäckige Entschlossenheit bewiesen. Zum Jahrestag will Erik Richter-Alten (25) - nun wieder völlig gesund - seinen Lebensrettern mit dem „Krone“-Bericht Danke sagen.

Den 6. Juli feiert Erik Richter-Alten (25) jährlich wie einen zweiten Geburtstag. Denn vor genau fünf Jahren hing das Leben des Wahl-Innsbruckers nach einem Paragleiter-Absturz am seidenen Faden. Zufälle, eine entscheidende Idee seiner Freunde und deren Hartnäckigkeit bewahrten ihn vor dem Tod.

Rückblick: Es ist der 6. Juli 2017. Erik und Kollege Thomas starten am Elfer in Neustift im Stubaital mit ihren Paragleitern. „Es war mein erster Flug mit dem Schein, die Thermik war stark und der Schirm eigentlich für Fortgeschrittenere als für mich“, räumt der in Norddeutschland geborene passionierte Hobbysportler heute ein.

Am Elfer im Stubaital war der damals 20-Jährige gestartet (Bild: zVg)
Am Elfer im Stubaital war der damals 20-Jährige gestartet

Apathisch nach Absturz, kein Notruf möglich
Über dem Gschnitztal verliert der damals 20-Jährige gegen 14 Uhr rasant an Höhe, rasiert eine Baumspitze ab und stürzt in den Wald. Dort bleibt er schwerst verletzt und apathisch liegen. Der Paragleiter-Freund schlägt später Alarm. Die Crew eines Suchhubschraubers sieht den zusammengeklappten Schirm unter den Bäumen nicht. Eine Handyortung via Mast ist prinzipiell möglich. Doch man kann nur den groben Umkreis eingrenzen, dieser ist weitläufig und unzugänglich. Die Zeit läuft, Gehirnblutungen, Nervenschäden und gebrochene Knochen bedeuten einen Wettlauf gegen die Zeit. Es wird Abend.

„Wir können nicht untätig herumsitzen“
Inzwischen erfährt Mitbewohnerin Stefanie Rohland vom Verschwinden Eriks. Sie kontaktiert Nico Rossi, einen technisch versierten Freund ihres Freundes Stephan Hansel. Man schwört sich ein: „Wir können nicht untätig herumsitzen, sondern müssen etwas tun!“

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Ich war ansprechbar, aber wusste nicht, warum ich hier lag.

Erik Richter-Alten

Auf Eriks Computer die rettende App aktiviert
IT-Spezialist Nico startet Eriks Rechner. „Dass ich für den PC kein Passwort hatte, war der erste Baustein zur Lebensrettung“, blickt Erik zurück. Ein Mail-Passwort ist die nächste Hürde, doch Nico schafft es, dieses zurückzusetzen. Via Google-Konto gelingt dann die Aktivierung der App „Find My Device“ (Finde mein Gerät). Plötzlich blinkt Eriks Handy am Bildschirm auf – am Serleskamm in rund 1700 Metern Seehöhe!

1000 Höhenmeter hinauf
Die Freunde zögern keine Sekunde, springen ins Auto und beginnen mit ständigem Blick auf die Ortungsdaten den rund 1000 Höhenmeter langen Aufstieg. „Ich war ansprechbar, aber wusste nicht, warum ich hier lag“, sagt Erik zum nächtlichen Zusammentreffen. Um 5 Uhr früh fliegt der Rettungshubschrauber den 20-Jährigen ins Tal. Die Eltern bekommen von den Ärzten zunächst zu hören: „Ihr Sohn wird wohl nie mehr ohne fremde Hilfe leben können.“

Erik kann sich an die Stunden vor dem Unfall und die ersten fünf Tage danach nicht erinnern. Doch er kämpft, steht nach Wochen wieder auf eigenen Beinen, ist heute gesund und in der Endphase mehrerer Studien (Physik, Sportwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften). „Dieser Beitrag am fünften Jahrestag soll eine Ehrerbietung an meine Retter Nico, Steffi und Stephan sein.“

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