03.07.2022 08:00 |

August Janisch:

„Als Christ kann man ja nur Humanist sein“

„Flüchtlingspfarrer“ August Janisch war einst das erste Opfer von Franz Fuchs. Nun feiert er seinen 80er.

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Das Lachen von Schülern schallt über den Stiftshof, eine Handvoll Urlauber stellt sich für eine Führung durch das weltälteste Zisterzienserkloster an, das für Pater August seit 23 Jahren zum Lebensmittelpunkt geworden ist. „Ich hätte mir niemals vorstellen können, einmal Mönch zu werden“, gesteht der Priester, der sich nach kräftezehrenden Priesterjahren und einer Krebserkrankung eigentlich nur ein Ruhejahr im Stiftskloster Rein gönnen wollte. „Ich habe damals nicht einmal meine Umzugskartons ausgepackt, weil ich nach der Auszeit wieder zurück in die Diözese wollte.“

Am Leben mit exakten Tagesabläufen und festen Ritualen hat Janisch jedoch rasch Gefallen gefunden. Vice versa hat das Stift vom umtriebigen Medienprofi profitiert, der das ehrwürdige Kloster nach Jahren negativer Schlagzeilen rund um den ehemaligen Abt Paulus Rappold mit segensreichen Inhalten vermarkten konnte. „Ich bin hier ein glücklicher Mensch. Die Zelle ist mein Lebens- und Arbeitsplatz, wo ich alles habe, was ich brauche“, lächelt Pater August, der am 6. Juli 1942 in St. Ruprecht an der Raab geboren und in einer bäuerlichen Familie mit sieben Kindern aufgewachsen ist. „Schon als 10-Jähriger habe ich die Berufung zum Priester gefühlt.“

Janisch studierte Theologie in Graz, empfing 1966 die Priesterweihe und wurde Kaplan in Hitzendorf. Als Lehrer und Erzieher war er elf Jahre am bischöflichen Knabenseminar tätig. „An diese Zeit habe ich schöne Erinnerungen, doch ich wollte nicht ein Leben lang bei Pubertierenden bleiben.“ Der Wunsch nach Veränderung führte den überzeugten Humanisten 1980 in die Pfarre Hartberg, wo er sich um viele Belange kümmerte, insbesondere aber um die Betreuung von Flüchtlingen.

Dieses Engagement machte den Flüchtlingspfarrer am 3. Dezember 1993 zur Zielscheibe der ersten Briefbombe von Franz Fuchs. „Das ist ein armer Kerl“ sagte Janisch damals, als feststand, wer hinter diesen menschenverachtenden Anschlägen stand. 

„Wollte den armen Kerl im Gefängnis besuchen“
Seine beiden Versuche, mit dem „armen Kerl“ persönlich im Gefängnis zu sprechen, scheiterten. Fast 30 Jahre später denke er nur mehr selten daran und auch nur dann, wenn er bei seinen Klosterführungen darauf angesprochen wird.

Auch im aufwändig renovierten Stift Rein setzte Pater August Janisch sein Engagement für Flüchtlinge fort. Trotz des Widerstandes einiger Mitbrüder, die befürchteten, dass das Stift in wenigen Jahren zur Moschee werden könnte. „Diese Angst vor Fremden innerhalb der Klostermauern hat mich sehr betroffen gemacht“, gibt Janisch offen zu, der mit syrischen und afghanischen Flüchtlingen eines seiner schönsten Erlebnisse verbindet. „Ich habe nach dreijähriger Vorbereitungszeit vier Flüchtlinge taufen und firmen dürfen.“

Aus heiterem Himmel stand Arnie vor der Tür
Nach wie vor trifft er sich mit den „angeworbenen“ Christen zu Bibelrunden und erinnert sich auch an jenen Moment, als Arnold Schwarzenegger aus heiterem Himmel vor der Stiftspforte stand. „Die Flüchtlinge sind aus dem Staunen gar nicht herausgekommen, dass hier in den letzten Graben ein Weltstar wie Arnold Schwarzenegger kommt und das Stift damit auch in den Mittelpunkt der Welt rückt.“

Dass das Kloster ganz generell wieder mehr im Mittelpunkt steht, hat auch Pater August als Vorstandsmitglied von „Klösterreich“ maßgeblich mitgewirkt, das Kloster zur Urlaubsstätte für Sinn- und Ruhesuchende gemacht und Stift Rein „ein bisschen vor den Vorhang geholt“. Der zeitgenössische Tourismusbetrieb des Stiftes, die regelmäßigen Ausstellungen im Klosterareal und die Erforschung der bald 700-jährigen Geschichte des Zisterzienserklosters sind wesentlich mit den Initiativen Janischs verbunden.

80. Geburtstag wird in Bescheidenheit gefeiert
In aller Bescheidenheit wird in der kommenden Woche der 80. Geburtstag des Mitbruders gefeiert, der seinen „Runden“ dem 40-Jahre-Jubiläum des Stiftsgymnasiums unterordnet. In einem Festgottesdienst wird der Jubilar heute in der Pfarre Gratwein-Judendorf-Straßengel mit Ehrenring und einer Festpredigt seines „ersten Kaplans“ Hans Schrei gewürdigt. Unter den Gratulanten könnte auch Bischof Wilhelm Krautwaschl sein, der 1980 als Kaplan unter Janisch in Hartberg wirkte.

Erich Fuchs
Erich Fuchs
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