25.07.2011 19:46 |

12 Millionen bedroht

Das sind die Gründe für die Hungersnot in Afrika

Schnelles Handeln ist angesichts der Hungerkatastrophe in Ostafrika geboten und auch noch möglich, so das Ergebnis einer Konferenz der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO am Montag in Rom. Verantwortlich für die Hungersnot, von der rund zwölf Millionen Menschen betroffen sind, sei allerdings nicht nur die schwere Dürre, auch politische Konflikte und hohe Preise spielten eine Rolle. Die Situation ist dramatisch.
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Menschen in Somalia, Kenia, Äthiopien, Dschibuti, Sudan und Uganda sind akut von Nahrungsmittelknappheit betroffen. In Regionen im Süden Somalias herrscht gar eine schwere Hungersnot. Zehntausende starben bereits. Nach letzten Angaben des Kinderhilfswerks Unicef sind mehr als eine halbe Million Kinder vom Hungertod bedroht. Die Katastrophe habe sich seit Monaten angebahnt, sagt Unicef-Mitarbeiter Christopher Tidey, "aber manchmal muss die Krise komplett ausgewachsen sein, bis sie die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft bekommt."

"La Nina" läßt Wetter verrücktspielen
Wetterexperten zufolge ist das Phänomen "La Nina" - die Schwester des berühmten Bruders "El Nino" - einer der Hauptauslöser. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das Wetter in verschiedenen Teilen der Welt verrücktspielen lässt, aber seit Sommer 2010 wüte "La Nina" "ungewöhnlich stark", sagen Meteorologen.

Die Anfänge der Krise liegen denn auch schon viele Monate zurück, "sie begann, nachdem die Regenfälle von Oktober bis Dezember 2010 und somit auch die Ernten ausgeblieben sind", sagte Judith Schuler vom Welternährungsprogramm. "In einigen Teilen Nordkenias und Südsomalias lag der Regendurchschnitt nur bei 30 Prozent von dem, was zwischen 1995 und 2010 vom Himmel kam", erklärt Schuler. In Ostafrika, wo alles Leben ganz auf die sich abwechselnden Regen- und Trockenzeiten ausgerichtet ist, sind solche Dürreperioden fatal.

Fatales Zusammenspiel verschiedener Faktoren
Die Dürre war aber nur einer der Gründe für die Katastrophe. Ein anderer ist politischer Natur: "Solche Krisen ereignen sich, wenn die Migrationsmuster der Viehhirten unterbrochen werden und sie keinen Zugang mehr zu anderen Weidegründen und Wasserquellen haben", erläuterte ein Mitglied des renommierten britischen Overseas Development Institute auf der Webseite des Think Tank. Wenn die traditionell nomadischen Hirten wegen territorialer Kämpfe und neuer Grenzen keine großen Gebiete mehr durchqueren können, dann ist das Desaster vorprogrammiert.

In Somalia schüchtert die Al-Shabaab-Miliz zudem die Bevölkerung durch brutalste Aktionen ein: Die Gesellschaft für bedrohte Völker gab jetzt bekannt, Rebellen hätten mehrere Viehhirten geköpft und die Leichen anschließend durch die Straßen gezerrt. Dabei hatten sich die Männer nur geweigert, den Kämpfern der Miliz ihre wenigen, noch lebenden Tiere auszuhändigen.

"Nach zwei Jahrzehnten ununterbrochener Kämpfe lebten die meisten Somalier ohnehin schon ganz nah am Abgrund", brachte es die BBC kürzlich auf den Punkt. Als die Al Shabaab dann 2009 auch noch Hilfslieferungen westlicher Organisationen untersagte, spitze sich die Situation zu. Die von der UN unterstütze Übergangsregierung wirkt zudem machtlos und hat selbst in der Hauptstadt Mogadischu nur teilweise das Zepter in der Hand. Außerdem greift in den Ostafrikanischen Staaten eine grassierende Inflation um sich.

Unmittelbares Handeln in Brennpunktregionen geboten
"Die Kombination von Dürre, Inflation und politischen Konflikten haben eine katastrophale Situation geschaffen", erklärte der scheidende FAO-Direktor Jacques Diouf am Montag bei der Konferenz in Rom. Um diese Krise zu überwinden, seien in den kommenden Monaten mindestens 1,6 Milliarden Dollar (etwa 1,1 Milliarden Euro) notwendig, schätzte Diouf.

"Der Hunger ist kein Skandal von gestern, sondern ein Skandal von heute, und wenn wir nichts unternehmen, wird er auch ein Skandal von morgen sein", warnte der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire bei der Konferenz. Frankreich, das die diesjährige G8- und G20-Präsidentschaft innehat, hatte das römische Treffen angeregt.

Humanitäre Soforthilfe und langfristige Maßnahmen
Um zu helfen, solle Hirten sowie Landwirten mit Viehzucht, die einen wichtigen Bestandteil der möglichen Nahrungsmittelsicherheit darstellten, besondere Unterstützung zukommen. In diesem Kontext sei es auch entscheidend, die Bewegungsfreiheit der Hirten in den einzelnen Ländern und auch grenzübergreifend zu garantieren, hielt die Konferenz fest. Ebenso sei, soweit möglich, die Vertreibung von Menschen zu vermeiden. Bauern und Fischern müsse Hilfe zur Selbsthilfe gegegeben werden.

Die Weltbank genehmigte Medienberichten zufolge am Montag bereits 500 Millionen Dollar (348 Millionen Euro) gegen die Hungerkrise. Für die Hilfsorganisation Oxfam gibt es "keine Entschuldigung" mehr für die internationale Gemeinschaft, nicht sofort großzügig zu helfen. "Kein anderes Problem kann dringender sein als Millionen Menschen, die in Afrika dem Schreckgespenst des Hungers entgegensehen", erklärte Barbara Stocking, Direktorin von Oxfam in Großbritannien. Stocking kritisierte, dass Warnungen und Lehren von Hungersnöten offenbar nichts bewirkt hätten. "Wir brauchen mehr als alles andere ein globales Nahrungsmittelsystem, das es jedem erlaubt, genug zu essen", sagte Stocking.

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