Steirische Netzwarte

„Ein großer Blackout ist sehr unwahrscheinlich“

Steiermark
20.06.2022 06:00

Mehrere Tage Dunkelheit sind ein Horrorszenario, die Sorge davor wird immer größer. Die „Krone“ besuchte die steirischen „Strom-Zentrale“: Wie wird der Blackout verhindert?

Auf riesigen Bildschirmen werden in der Netzleitwarte der Energie Steiermark 31.500 Kilometer steirische Stromleitungen genau überwacht. Tritt eine Störung auf, kümmert sich einer der Mitarbeiter darum, dass in den Haushalten weiter am Herd gekocht werden kann.

Ganz Europa ist verbunden
„Solche kleinen Störungen im Niederspannungsbereich passieren mehrmals täglich. Hochspannungsleitungen sind dagegen nur etwa einmal im Monat betroffen“, sagt der Leiter der Warte, Roland Bergmayer. Von so einem Ausfall merken wir nichts, genauso wenig, wenn irgendwo mehr oder weniger Strom gebraucht wird - ganz automatisch wird das vom Netz ausgeglichen, über Grenzen hinweg. „Sogar dann noch, wenn zwei große Atomkraftwerke als Erzeuger ausfallen.“ Denn ganz Europa ist elektrisch miteinander verbunden und liefert uns bei Bedarf Strom.

Die Netzleitzentrale der Energie Steiermark. (Bild: Christian Jauschowetz)
Die Netzleitzentrale der Energie Steiermark.

So soll Komplettausfall verhindert werden
Kann es dazu kommen, dass ganze Länder tagelang finster bleiben? Bergmayer: „Die Wahrscheinlichkeit für einen großräumigen Blackout ist sehr, sehr gering.“ 1976 gab es in Österreich den letzten. Ob der Experte ein Szenario kennt, das zum Blackout Europas führt? „Nur ein fiktives: Es müssten mehrere Großstädte ohne Strom sein und große Erzeuger wegfallen. Zudem müsste es eine Region geben, die sich selbst nicht mit Strom versorgen kann. Diesen Fall gibt es aber nicht.“

Davor kommen außerdem unzählige Sicherheitsvorkehrungen zu tragen: „Es gibt in Europa verteilt Wasserkraftwerke, die immer Strom erzeugen können.“ Auch Pumpspeicherkraftwerke können hochgefahren werden. Danach werden Regionen vom Netz genommen, um einen Komplettausfall zu verhindern.

Mehrere Mitarbeiter versehen im „Nerven Zentrum“ der Energie Steiermark rund um die Uhr ihren Dienst. (Bild: Christian Jauschowetz)
Mehrere Mitarbeiter versehen im „Nerven Zentrum“ der Energie Steiermark rund um die Uhr ihren Dienst.

Kurzer Stromausfall führt dennoch zu Chaos
Doch selbst wenn es in der ganzen Steiermark dunkel wird: „In spätestens zwölf Stunden haben wir wieder Strom“, weiß Bergmayer. Lampen leuchten dann wieder, „aber beim Internet weiß keiner, wie schnell es wieder geht“.

Viele Bereiche sind davon betroffen: Kein Geld aus dem Bankomat, kein Sprit, Produktionen stehen still - Chaos entsteht. Zumindest Krankenhäuser sind im Ernstfall mit Notstromaggregaten auch während eines solchen Ausfalls gut versorgt.

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In spätestens zwölf Stunden haben wir wieder Strom, aber beim Internet weiß keiner, wie schnell es wieder geht.

Roland Bergmayer

Hackerangriffe sind größte Gefahr
Ein Fall, vor dem auch wir Steirer trotzdem nicht zu 100 Prozent gefeit sein können und der einen Blackout auslösen könnte: große Hackerangriffe. Das bestätigt auch der Warten-Leiter: „Aber so etwas wie in Kärnten kann uns in der Netzleitwarte nicht passieren, das System ist sehr sicher.“

Was zukünftig auch immer herausfordernder wird: „Viele Haushalte speisen schon selbst Strom durch Fotovoltaik ein“, so der Experte. Das macht das System noch komplexer. In die Netz-Modernisierung investiert die Energie Steiermark jährlich bis zu 150 Millionen Euro.

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