In fast allen Bereichen ist die 3G-Regel seit dem 5. März Geschichte. Durch diese verloren Freizeiteinrichtungen wie Fitnessstudios oder Schwimmbäder einen großen Teil ihrer Kundschaft. Ist diese mit den gefallenen Maßnahmen wieder zurückgekehrt? Die „Tiroler Krone“ hat dazu einen Rundruf im Land gestartet.
„Die Zahl der Besucher ist wieder deutlich gestiegen“, freut sich Philipp Reiner, Geschäftsführer vom ArcheNeo fitnesstreff in Oberndorf. An die Zahlen von vor Corona komme man aber noch nicht heran. „Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie sind es 25 bis 30 Prozent weniger Gäste“, schätzt der Inhaber. Eine weitere erfreuliche Nachricht: „Während den Lockdowns kam es zum Glück nur zu wenig Abo-Kündigungen.“
Man sollte endlich aufhören, alle mit dem Virus narrisch zu machen.
Philipp Reiner
Kritik an Politik
Heftige Kritik übt Reiner jedoch an der Politik. Denn bei den Finanzhilfen lief es alles andere als reibungslos ab. „Auf den Fixkostenzuschuss musste ich ein Jahr lang warten“. Und wie sieht der Blick in die Zukunft – vor allem in den Herbst – aus? „Ich bin derzeit recht positiv gestimmt“, meint der Geschäftsführer, der an die Verantwortlichen appelliert, dass „man endlich aufhören sollte, alle mit dem Virus narrisch zu machen“.
„Im Vergleich zur Zeit vor Corona fehlen 30 Prozent“
Schauplatzwechsel nach Vomp. Von „langsam wachsenden Besucherzahlen“ spricht dort eine Mitarbeiterin des Innfitness. Sie schätzt, dass „im Vergleich zu den Zeiten vor Corona noch 30 Prozent fehlen“. Vor allem ältere Menschen seien noch vorsichtig. Und auch hier: „Zu Abokündigungen kam es während der Lockdowns bei uns zum Glück praktisch nicht.“
Es gibt auch genügend Leute, die krankheitsbedingt Sport machen müssen. Denen fehlt dann die Alternative.
Eine Mitarbeiterin
Doch auch sie klagt über ein „mühsames Unterfangen“ bei den Finanzhilfen der Regierung: „Bis heute haben wir immer noch nicht alles, was uns zusteht, erhalten.“ Abschließend spricht sich die Mitarbeiterin ebenfalls dafür aus, dass es zu keinen weiteren Schließungen mehr kommen darf. „Es gibt auch genügend Leute, die krankheitsbedingt Sport machen müssen. Denen fehlt dann die Alternative.“
„Lockdown im Herbst wäre wie ein Dolchstoß für uns“
Von einem „Aufwärtstrend“ spricht auch Marcel Haselwanter vom clever fit Imst: „Wir haben wieder deutlich mehr Neuanmeldungen als Kündigungen.“ Während der Hochphase der Pandemie habe man noch 50 Prozent weniger Besucher gezählt. Für die Zukunft wünscht sich Haselwanter, dass die Türen der Fitnessstudios „offengehalten werden“. Eine weitere Schließung wäre ein „Dolchstoß“.
Maskenpflicht Ärgernis
Und wie sieht man die Situation von offizieller Seite - also der Wirtschaftskammer? Laut Branchensprecher Alois Fauster laufe es „mühsam“. Es herrsche noch eine „negative Stimmung“, meint der WK-Funktionär, der die Auslastung der Fitnessstudios auf 50 Prozent im Vergleich zum Niveau vor Corona schätzt. Aufgrund der ringsum steigenden Preise durch den Ukraine-Krieg würden sich weniger Personen den Eintritt ins Fitnessstudio leisten.
Wenn es mit den Förderungen vorbei ist, könnte es noch zu einem dicken Ende kommen.
Alois Fauster
Auch die Maskenpflicht stößt Fauster sauer auf. Diese sei „nicht nachvollziehbar“ und gehöre dauerhaft abgeschafft. Wie viele Konkurse es bisher gegeben hat, kann der Sprecher nicht beantworten. Nur so viel: „Wenn es mit den Förderungen vorbei ist, könnte es noch zu einem dicken Ende kommen.“
„Nachfrage nach Bahnen in Bädern nicht zu decken“
Indes freuen sich die Tiroler Hallenbäder darüber, dass „das Niveau der Vorjahre wieder erreicht wurde“, wie Sprecher Ulrich Mayerhofer wissen lässt. Ob dies ausschließlich mit der gefallenen 3G-Regel zusammenhänge, lasse sich jedoch nicht beantworten.
Auf die Frage, wie es mit der Auslastung aussieht, meint Mayerhofer: „In den Schwimmbädern kann die Nachfrage nach Schwimmbahnen durch Schwimmschulen und öffentliche Schulen derzeit nicht mehr gedeckt werden. Hier besteht ein starker Nachholbedarf.“
Ich hoffe, dass wir nicht wieder schließen müssen, kann es aber nicht ausschließen.
Ulrich Mayerhofer
Rechtzeitige Maßnahmen gefordert
Welche Auswirkungen die Lockdowns auf Jahreskarten-Besitzer hatte, kann der Sprecher lediglich bezüglich der Innsbrucker Bäder beantworten. „Nur wenige haben eine solche nach dem ersten Lockdown zurückgegeben bzw. nicht mehr verlängert.“ Und wie blickt Mayerhofer in den Herbst? „Ich hoffe, dass wir nicht wieder schließen müssen, kann es aber nicht ausschließen.“
Aus Sicht der Bäder „sollten bereits im Juli Maßnahmen gesetzt werden, die eine Verbreitung des Coronavirus im Herbst einschränken“. Vor allem die Impfrate müsse gesteigert werden. Er spricht sich daher für die „Maskenpflicht ab Herbst“ aus.
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