Die Digitalisierung hat seit der Pandemie an Fahrt aufgenommen. Eine Entwicklung, die besonders ältere Steirer ausklammert. Immer mehr beklagen, dass sie den Anschluss verlieren.
Wer sich früher um einen Job bewerben wollte, tat das mit schriftlichen Unterlagen in einer Mappe. Mittlerweile braucht es dazu: einen Computer, ein Smartphone und eine gut funktionierende Internetverbindung, damit das Bewerbungsgespräch via Teams nicht unterbrochen wird. Steht ein Kinobesuch an, empfiehlt es sich, zuvor eine App herunterzuladen und das Ticket inklusive Wunschsitzplatz zu reservieren.
Gleiches gilt bei Bestellungen. Ist man nicht zuhause, geht die Sendung an die nächste Paketstation. Für den Umleitungsservice an die Wunschfiliale ist eine Registrierung notwendig - natürlich online.
„Warum haben Sie online keinen Termin gebucht?“
Von Bankerledigungen, über Fahrscheine für Bus und Bim bis hin zur Anmeldung für Corona-Tests funktioniert im Alltag alles tadellos, allerdings meistens nur im Netz. E-Mails, Apps und Onlinedienste machen das Leben für viele zwar angenehmer, doch bei älteren Konsumenten bewirkt die Digitalwirtschaft das genaue Gegenteil. Sie fühlen sich ausgeschlossen und drohen ins Abseits zu rutschen.
Speziell seit Ausbruch der Pandemie hat die Digitalisierung noch einmal einen Gang zugelegt. Plötzlich war das Internet einer der wenigen Kanäle zu anderen Menschen. Behörden waren nur mehr telefonisch oder per Mail erreichbar. Vieles davon ist geblieben. Stellt man sich irgendwo an, lautet in der analogen Welt die Frage nicht selten, warum man keinen Termin über die Homepage gebucht hat.
Digitale Erledigungen als tägliches Hindernis
Dass zunehmend Dienstleistungen im Rahmen eines persönlichen Kontakts nicht mehr verfügbar sind und dieser Umstand zu Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben führt, sieht auch Daniela Grabovac kritisch: „Bei uns melden sich immer mehr Menschen, die mit den digitalen Angeboten nicht mehr mithalten können“, berichtet die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle. Von den neuen Technologien können nur jene profitieren, die diese auch nutzen können. Häufig fehlt es aber an Wissen oder auch Geld, um sich die entsprechenden Geräte zu kaufen.
Bei uns melden sich immer mehr Menschen, die mit den digitalen Angeboten nicht mehr mithalten können.
Daniela Grabovac
Gesundheitsbereich macht größte Sorgen
Während sich junge Menschen selbstverständlich in der neuen Welt bewegen, haben Ältere das Internet erst später oder gleich gar nicht kennengelernt. „Das größte Problem, das geäußert wird, ist die digitale Umstellung, vor allem im Gesundheitsbereich.“ Weil analoge Dienste vielfach wegreduziert werden, sei der Ausschluss der Menschen, die keinen Online-Zugang haben, immens. „Personen, die sich deshalb diskriminiert fühlen, können sich an uns wenden. Wir leiten dann Interventionsschritte ein. Rechtlich gibt es leider keine Möglichkeit per se dagegen vorzugehen“, erklärt Expertin Grabovac.
Der beste Weg sei, auf Probleme aufmerksam zu machen und sich nicht dafür zu schämen. Ein Umdenken komme immerhin erst zustande, wenn Missstände aufgezeigt werden.
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