02.04.2022 07:00 |

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Kosten-Explosion: Große Angst vor Baustellen-Stopp

Baustellen verzögern sich, Unternehmen sind verzweifelt, denn Material ist knapp und teuer wie nie. Noch gibt es Aufträge - doch das könnte sich bald ändern.

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Gleich 40 Prozent mehr für Stahl, bei anderen Baustoffen wie Ziegel, Zement und Dämmstoffe sind es gut zehn Prozent, die Baufirmen momentan mehr zahlen. „Alles, wofür bei der Erzeugung Energie benötigt wird,“ erklärt Alexander Pongratz vom gleichnamigen Unternehmen.

Der Ukraine-Krieg lässt auch die Baubranche nicht unberührt. Energiekosten und Lieferengpässe treiben die Materialpreise enorm in die Höhe. Manche Baufirmen stünden bereits knapp vor dem Aus, der Wirtschaftsmotor stottert.

Baufirmen fahren Minus ein
Denn obwohl Auftragsbücher nach wie vor gut gefüllt sind, haben die Betriebe zu kämpfen. Pongratz: „Bei Lieferungen gibt es teilweise nur Tagespreise.“ Kalkuliert hätte man die Baustellen aber mit günstigeren Festpreisen. Höhere Kosten müssen dann von den Firmen selbst getragen werden. Ein kleines Trostpflaster: „Es gibt zumindest ein Einvernehmen mit den öffentlichen Auftraggebern, Preise anzupassen“, sagt Josef Muchitsch, der Vorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz.

Problematischer sei es bei privaten Auftraggebern, besonders beim geförderten Wohnbau. Muchitsch: "Genossenschaften müssen jetzt die Stopptaste drücken. Förderrichtlinien schreiben Preise vor, mit denen gerade nicht gebaut werden kann.“

Dass das Baukostenlimit gerade großes Thema sei, bestätigt auch der Vorstand der Wohnbaugruppe Ennstal, Wolfram Sacherer. Momentan sei die Auftragslage noch gut, für kommende Projekte könnten sich Verhandlungen aber schwierig gestalten: “Die Firmen wollen keine Festpreise.„ Langfristig brauche es ohnehin eine Lösung. “Die Politik muss eingreifen„, ist sich Muchitsch sicher, “um die Kosten nicht voll auf den Mieter umzuwälzen".

Fakten

Was ist ein Festpreis?
Der Auftragnehmer unterbreitet dem Auftraggeber mittels eines Angebots einen zu zahlenden Preis für eine Leistung. Oft wird dafür ein fixer Preis, der so genannte Festpreis, gewählt. Auch wenn dadurch ein klares Budget vereinbart wird, ist man bei Änderungen wenig flexibel.

Wie entwickelt sich der Wohnbau?
Experten gingen noch im Jänner davon aus, dass sich der positive Trend von 2021 (ein Plus von 3,2 Prozent) auch heuer fortsetzen wird. Die Zahlen mussten jedoch mittlerweile bedingt durch den Krieg in der Ukraine wieder etwas nach unten korrigiert werden.

Wo wird am meisten gebaut?
Fast die Hälfte des für 2022 prognostizierten Bauumsatzes - nämlich 1,66 Milliarden Euro - entfällt auf den Großraum Graz, wo weiterhin auf hohem Niveau gebaut wird. Die Achsen Gleisdorf, Lieboch und Leibnitz sind laut WKO zusehends gefragt.

Weniger Aufträge führen zu Kündigungen
Die hohen Preise machen sich auch schon bei den klassischen Häuselbauern bemerkbar, sagt Pongratz: „Es ist ihnen einfach zu teuer.“ Die Folgen: Aufträge gehen zurück, und das führe letztendlich zu Entlassungen. „Es betrifft auch alle Branchen, die dranhängen, etwa Maler oder Einrichtungshäuser“, gibt Muchitsch zu bedenken. Es wäre der Beginn einer Abwärtsspirale.

Lage bleibt angespannt
Momentan führen die Engpässe bereits zu Verzögerungen bei manchen Baustellen. Wird die Situation noch schlimmer? Um im Herbst unabhängiger zu sein, würden Baufirmen bereits Material bunkern. „Der Klopapiereffekt in der Baubranche,“ scherzt Muchitsch. Die Zukunftsaussicht: „Selbst wenn der Krieg in der Ukraine bald ein Ende hat,“ prognostiziert der Gewerkschafter, „bleiben die nächsten Monate angespannt .“

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