21.03.2022 06:00 |

„Krone“-Enthüllungen

Das große Versagen im Pernegger-Asbest-Skandal

Wie konnte es so weit kommen? Eine Frage, die sich nach den „Krone“-Enthüllungen um offenbar illegale Asbest-Ablagerungen in einer stillgelegten Deponie viele stellen.

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Die „Krone“ berichtete am 29. Mai 2010 von Volksfeststimmung im Rahmen der Eröffnung des Kirchdorftunnels und dem damit verbundenen Lückenschluss der S 35. Blasmusik, Schaulustige und jede Menge Politprominenz vom damaligen Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) abwärts war aufmarschiert, um diesem „Jahrhundertereignis“ beizuwohnen. „Die Lebensqualität der lärmgeprüften Einwohner von Pernegg steigt gewaltig: Es wird herrlich ruhig hier“, frohlockte der damalige Asfinag-Boss Alois Schedl.

Mit der Ruhe ist es in Pernegg nun aber vorbei. Die „Krone“-Enthüllungen rund um Ablagerungen von Tausenden Tonnen an asbestverseuchten Tunnelaushubmaterial in der mittlerweile stillgelegten Tieber-Deponie sind Gesprächsthema Nummer eins. Aber warum wurde das Material überhaupt in einer Bodenaushubdeponie gelagert? Warum hat die Asfinag die Gefahr von derartigen Schlagzeilen in Kauf genommen und den gefährlichen Aushub nicht zu einer dafür vorgesehenen Baurestmassendeponie gebracht?

Mehrere Millionen an Kosten erspart
Eine der Antworten auf diese Fragen verbirgt sich wohl hinter fünf Buchstaben: Alsag. Der sogenannte Altlastenbeitrag wäre nämlich fällig geworden - und dieser hätte es bei der prognostizierten Menge an Material in sich gehabt. Der Projektleiter berechnete im Jahr 2007 Kosten von bis zu 20 Millionen Euro. Geld, das man sich offenbar sparen wollte. Interessant ist auch die Aussage der Asfinag auf „Krone“-Anfrage, dass man ja gar nicht Betreiber der Deponie gewesen sei.

Aus uns vorliegenden Schreiben und Protokollen geht nämlich hervor, dass sich das Bauunternehmen Tieber weigerte, das gefährliche Material weiter in seiner Deponie abzulagern - erst nachdem die Asfinag im Oktober 2007 die Verantwortung über die Deponie übernommen hatte, rollten wieder die Lkw. Bereits davor stellte der Autobahnbetreiber selbst die Einreichung für die Genehmigung der Bodenaushubdeponie, die dann auch von der Landesbehörde erteilt wurde.

Für Irritationen sorgt ebenso das Zusammenspiel zwischen Asfinag und der zuständigen Behörde - wie berichtet, handelt es sich dabei wieder um die wegen fragwürdiger Umweltverträglichkeitsprüfungen im Mittelpunkt von Ermittlungen stehende Abteilung 13 der Landesregierung. Nachdem etwa der damalige Amtssachverständigte wiederholt auf die Nichteignung der Deponie zur Befüllung mit dem angelieferten Tunnelaushubmaterial hinwies, hat die Asfinag die Zusammenarbeit einfach kurzerhand beendet.

Doppelfunktion, die Fragen aufwirft
Für die chemische Probeentnahmen wurde in Folge ein Büro aus Kärnten beauftragt. Dessen Geschäftsführer ist wiederum der vom Land Steiermark bestellte Deponieaufseher. Eine Doppelfunktion, die für viele Experten eine Unvereinbarkeit darstellt. Der Mann müsste ja im Grunde seine eigenen Berechnungen kritisch hinterfragen.

In der Landesabteilung 13 sieht man darin offenbar aber kein allzu großes Problem, noch immer hält man an der Deponieaufsicht fest. Diese überwachte auch die zuletzt durchgeführten Probeschürfungen. Dass man dabei aus der mehreren Meter tiefen Deponie nur Proben aus der oberen Humusschicht holte, rundet die schiefe Optik in dieser Causa ab. Allerdings: Selbst in diesen Randbereichen wurden, wie am Sonntag bereits berichtet, sämtliche Asbest-Grenzwerte überschritten.

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