Handy-Wahnsinn

Auf der Straße abgelenkt: Tote und Verletzte!

Steiermark
11.03.2022 11:00

Ablenkung ist das größte Problem auf den steirischen Straßen, mehr als 30 Prozent der Unfälle werden dadurch ausgelöst. Experten warnen vor dem Handy am Steuer.

Eine Umfrage der Asfinag ergab: Acht von zehn Lenkern sagen, dass das Schreiben oder Lesen von Nachrichten stark ablenkt. Aber: Ein Drittel gibt zu, das Handy hinter dem Steuer eben dafür zu benützen, obwohl es verboten ist. Jeder Zehnte macht das sogar sehr häufig. Auf dem Vormarsch sind auch Fotos oder Videos mit dem eigenen Smartphone: Fast 40 Prozent sagen, dass sie schon Motive während der Fahrt aufgenommen haben. Knapp die Hälfte (47 Prozent) musste daher plötzlich in einer gefährlichen Situation voll abbremsen, jeder Vierte rasch die Spur wechseln, das Lenkrad verreißen.

Wen wundert’s also, dass mit mehr als 30 Prozent Ablenkung Hauptursache von Unfällen ist? Dabei sollte man bedenken: Bei 130 km/h auf der Autobahn fährt man pro Sekunde etwa 36 Meter – nur drei Sekunden unaufmerksames Fahren genügen, um mehr als die Länge eines Fußballfeldes „blind“ zu fahren!

140 blind gefahrene Meter, 35 auf der falschen Seite
Eine Test-Studie des Öamtc ergab: Als die Autofahrer ihr Smartphone vom Beifahrersitz nahmen und eine Whatsapp-Nachricht lasen und beantworteten, wurde ihr Fahrstil bedeutend unruhiger. Beim Tempolimit gab es viele Abweichungen – nach oben wie auch nach unten. Im Durchschnitt ging der Blick 14-mal weg von der Straße aufs Handy, das summierte sich zu 140 blind gefahrenen Metern. Ein Drittel der Teilnehmer überfuhr die Mittellinie und blieb teilweise für 35 Meter auf der falschen Straßenseite.

Die gängigsten Arten von Ablenkung sind demnach: Handy-Nachrichten oder E-Mails lesen und schreiben, herumliegende oder herumrollende Gegenstände suchen, ohne Freisprecheinrichtung telefonieren oder Navi und Radio bedienen. Bei der Grazer Polizei ist das ein längst gewohntes Bild. Ein Beamter erzählt uns etwa von einem Lkw-Fahrer, der während der Fahrt gekocht hat. Augenbrauen zupfen, Schminken, Zeitung lesen – das ist Dienstalltag. Auch sexuelle Handlungen während der Fahrt wurden registriert.

Der Verkehrssicherheitsexperte Bernhard Lautner (Asfinag) sagt dazu: „Ablenkung am Steuer durch Hantieren am Handy sorgt jedes Jahr für zahlreiche Unfälle mit Verletzten oder gar Toten. Beim Fahren haben solche Multitasking-Versuche nichts verloren.“

Verkehrs-Landesrat Anton Lang wiederum betont: „Unser Ziel ist es, durch Bewusstseinsbildung auf die Gefahren durch Ablenkung aufmerksam zu machen und damit diese meist vermeidbaren Unfälle in Zukunft zu reduzieren.“ Auch auf der Kinderklinik des LKH Graz wird diese Problematik deutlich, die Zahlen der kleinen Patienten nach Unfällen durch Ablenkung hat sich binnen drei Jahren verdoppelt. „Die Dunkelziffer ist aber deutlich höher“, betont Vorstand Holger Till.  Detail am Rande: 13-mal war bei kleinen Patienten das Handy Ursache für Schmerzen in den Fingern oder Sehnenscheidenentzündungen aufgrund exzessiver Verwendung.

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