Der Bau-Boom an der Mur ist ungebrochen – vor etwas mehr als zwei Jahren wurde das Kraftwerk in Graz-Puntigam eröffnet, aktuell wird in Gratkorn gebaut, und auch in Leoben soll ihr Wasser schon bald für „grüne Energie“ sorgen.
Trotz dieser massiven Eingriffe hat sich die Wasserqualität der Mur in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Aus der einstigen „Drecksuppe“ ist wieder ein Lebensraum für Mensch und Tier geworden. Wenn auch Experten der Med Uni Graz nach einer Analyse im Vorjahr ein Bad in der Mur weiterhin nicht wirklich empfehlen würden.
Rohr-Leck bei Papierfabrik
Gerade aufgrund der besseren Wasserqualität sind Naturliebhaber besonders alarmiert, wenn sie Schaumkronen oder ähnliche Verunreinigungen entdecken. Am Montag letzter Woche schlugen deshalb Anrainer in Gratkorn und Gratwein-Straßengel Alarm. Unterhalb der Zentralkläranlage des Wasserbandes Gratkorn-Gratwein hatten sich Schaumkronen gebildet. Bei der Landeswarnzentrale wurde deshalb Chemie-Alarm ausgegeben und ein Experte zur Kläranlage geschickt, wie man auf „Krone“-Nachfrage bestätigt.
Die Anlage wird von Sappi betrieben, die dort nicht nur die Abwässer der eigenen Papierfabrik aufbereitet, sondern auch jene der angrenzenden Gemeinden. „Es hat ein Problem beim Pumpwerk für das Kommunalabwasser in Gratkorn gegeben“, erklärt Sappi-Werksdirektor Max Oberhumer. Mittels Rohrleitung wird das Abwasser vom Pumpwerk über die Mur zur Kläranlage gepumpt – und dieses Rohr hatte ein Leck.
Diese Bilder erwecken den Eindruck, dass hier etwas nicht stimmt – und es ist ja nicht das erste Mal, dass ich so etwas beobachtet hab.
Franz Keppel
„Nicht das erste Mal!“
„Um diese Undichtheit zu überprüfen und zu reparieren, haben wir die Pumpen vorübergehend abgestellt. Dadurch sind die Zulaufbecken kurzfristig übergelaufen und in die Mur geflossen“, fährt Oberhumer fort. Gefahr für Mensch und Natur bestand aber nicht.
Kritiker geben sich mit dieser Auskunft wenig zufrieden. „Ich beobachte die Situation dort schon seit Jahren, und es ist ja nicht das erste Mal, dass so etwas passiert“, ist Franz Keppel überzeugt. Der Fischer und Aktivist ist auch als „Huchen-Franz“ bekannt und sicher: „Derartige Vorfälle haben jedes Mal Folgen für Flora und Fauna, das ist wohl unbestritten. Warum wird hier nicht endlich reagiert und adaptiert? Und warum wird jedes Mal versucht, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren?“
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