05.01.2022 14:00 |

Konsum reduzieren

Wie klimaschädlich ist das Essen von Fleisch?

Etwa 60 Kilogramm Fleisch verdrückt jeder Österreicher pro Jahr - und das obwohl fast eine Million Bürger darauf verzichtet. Tiere verbrauchen aber Ressourcen, zum Beispiel Wasser und Land. Außerdem verursachen sie Emissionen: Rinder etwa stoßen Methan aus. Ist die Fleischproduktion und der Konsum also schlecht fürs Klima?

Wie oft essen Sie Fleisch? Einmal täglich oder nur einmal in der Woche? Verzichten Sie ganz darauf, sind Sie Vegetarier oder Veganer? Fix ist: Wie wir uns ernähren, beeinflusst die Umwelt.

Laut Martin Schlatzer, Ernährungsökologe am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Wien, sogar sehr: „Auf die Ernährung gehen bis zu 37 Prozent aller Emissionen zurück, rein auf Fleischkonsum 14 bis 18 Prozent.“ Zum Vergleich: Der weltweite Verkehr macht etwa 13,5 Prozent aus, die Industrie 20, Energie und Wärme 25. Die Ernährung ist laut Schlatzer das größte Rad, an dem man drehen kann.

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Die Ernährung ist das größte Rad, an dem man für das Klima drehen kann.

Martin Schlatzer, Ernährungsökologe, FiBL Wien

Eine besonders hohe Klimabilanz hat Rindfleisch, darauf folgen Schwein und Geflügel. Das Methan, das Rinder rülpsen, ist 28-mal klimaaktiver als CO2. Allerdings macht es nur etwa 15 Prozent der Treibhausgasemissionen aus und hat eine Lebensdauer von acht bis 15 Jahren. CO2 hingegen macht 60 Prozent aus und wirkt etwa 100 Jahre lang. „Deshalb würde man den Effekt auch recht schnell sehen, wenn man Methan reduziert“, ist Schlatzer überzeugt.

Nutztiere stehen oftmals in Nahrungsmittelkonkurrenz zu uns Menschen: Sie bekommen etwa Getreide, Soja und Mais. „Wenn wir das direkt essen würden, könnten wir drei bis vier Milliarden Menschen mehr ernähren“, erklärt der Ernährungsökologe.

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Wenn wir Getreide, Soja und Mais direkt essen würden, könnten wir drei bis vier Milliarden Menschen mehr ernähren

Martin Schlatzer

Tiroler können etwas tun
Welche Rolle spielt Österreich in der Rechnung? Keine unwesentliche, denn hierzulande ist der Fleischkonsum dreimal so hoch wie im globalen Schnitt. Schwein führt die Beliebtheitsskala an. In Tirol sieht es nicht ganz so dramatisch aus wie im österreichischen Durchschnitt, doch laut der Tiroler Ernährungserhebung 2015 essen Männer um 148,7% und Frauen um 21,7% mehr Fleisch als empfohlen.

„Man sollte schauen, dass man Fleisch und tierische Produkte reduziert“, erklärt die Diätologin und Ernährungswissenschaftlerin Sabrina Egg von der Fachhochschule Gesundheit in Innsbruck. „Wenn jeder pro Woche zwei bis maximal drei Portionen Fleisch und Wurst essen würde, dann wäre schon viel getan. Hinsichtlich Gesundheit, aber auch beim Umweltschutz.“

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Wenn jeder pro Woche zwei bis maximal drei Portionen Fleisch und Wurst essen würde, dann wäre schon viel getan. Hinsichtlich Gesundheit, aber auch beim Umweltschutz.

Diätologin und Ernährungswissenschaftlerin Sabrina Egg von der FH Gesundheit in Innsbruck

Laut Martin Schlatzer kann man den persönlichen Treibhausgas-Ausstoß um 28% reduzieren, wenn man den Fleischkonsum um zwei Drittel senkt – wie es die Österreichische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.

Wer auf die Regionalität achtet, kann Schlatzer zufolge fünf bis sechs Prozent einsparen. Mit Bio-Produkten sind 20% möglich. „Mit vegetarischer Ernährung sind es sogar 48%, bei veganen Essern 70%“, rechnet der Ernährungsökologe vor.

Vernunft für die Umwelt und eigene Gesundheit
Auch der Innsbrucker Agrar- und Regionalsoziologe Markus Schermer plädiert für eine „vernünftige“ Ernährung, die gut für Mensch und Natur ist: „Ich glaube, wenn wir uns für die Umwelt vernünftig ernähren würden, wäre es auch vernünftig für uns.“ Übermäßiger Fleischkonsum sei weder gut für die Umwelt, noch für die eigene Gesundheit.

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Wenn wir uns für die Umwelt vernünftig ernähren würden, wäre es auch vernünftig für uns.

Agrar- und Regionalsoziologe Markus Schermer, Universität Innsbruck

 Für ihn gelten drei Schlagworte: bio, saisonal und regional. “Wenn ich mich an das wenige Fleisch halte, das dann noch übrig bleibt, dann würde ich auch nicht mehr viel Fleisch essen.“

Wenn der Sonntagsbraten dann auch noch in einer Kreislaufwirtschaft produziert wurde, wäre das für Schermer quasi das Ideal: “Wenn Tiere ihren physiologischen Nutzen einsetzen, ihre Stellung in der Natur wieder einnehmen würden, die wir ihnen untraditionell weggenommen haben, wäre das wahrscheinlich am besten für die Umwelt." Heißt in etwa: Rinder fressen Gras statt importiertes Getreide, das auch direkt der Mensch hätte essen können.

Melina Mitternöckler
Melina Mitternöckler
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