27.11.2021 06:00 |

Praktik ist strafbar

„Zuckerl-Partys“, um sich mit Corona zu infizieren

Es ist nicht nur ein Verdacht, sondern bitterer Ernst. Ungeimpfte treffen sich mit Infizierten, um sich bewusst mit Corona anzustecken - und zwar zum Beispiel auf „Zuckerl-Partys“.

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Eine Gruppe - meist Jugendliche -, die dem Coronavirus grundsätzlich skeptisch gegenübersteht, kommt zusammen. Unter ihnen befindet sich eine mit Covid-19 infizierte Person. Sie lutscht ein Zuckerl und reicht dieses dann weiter. Alle anderen „Party-Gäste“, die ungeimpft sind, lutschen ebenfalls an diesem Zuckerl. Aber immer, bevor es der nächste Ungeimpfte bekommt, wird es wieder an den Infizierten zurückgegeben, der jedes Mal aufs Neue eifrig mit dem Zuckerl im Mund herumspielt.

Was ist die Absicht? Die Party-Gäste hoffen, sich auf diese Weise mit dem Coronavirus zu infizieren, um so einer Impfung zu entfliehen und als Genesene sämtliche Freiheiten genießen zu können – vorausgesetzt, sie überleben überhaupt.

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Beweise für einen solchen absoluten Wahnsinn wie die ,Zuckerl-Partys‘ gibt es noch nicht, man würde aber auf jeden Fall im strafrechtlichen Bereich agieren.

Walter Hasibeder, Präsident der Intensivmediziner in Österreich

„Ich habe viele derartige Gerüchte gehört, so wie auch die Verantwortlichen und Mitarbeiter im Gesundheitsministerium. Man würde im strafrechtlichen Bereich agieren“, betont Walter Hasibeder, Präsident der Intensivmediziner in Österreich und Ärztlicher Leiter der Anästhesie und Operative Intensivmedizin im Krankenhaus Zams in Tirol.

Doch diese Partys sind mehr als nur ein Gerücht. Das zeigt etwa ein tragisches Beispiel aus der Steiermark. Ein Ennstaler (55) starb offenbar durch diese Praktik. Auch in Südtirol dürfte dieses Russische Roulette beinahe schon gängige Praxis sein. So waren drei Jugendliche auf einer „Corona-Party“, um sich bewusst mit dem Virus anzustecken – sie landeten im Krankenhaus.

„Eine Ansteckungsgefahr ist hier durchaus gegeben“
Die Chance, sich auf diese „Zuckerl-Weise“ mit Corona zu infizieren, sei durchaus gegeben. „Weil die Delta-Variante, die derzeit kursiert, extrem infektiös ist. Das Ursprungsvirus ist 6- bis 8-mal weniger ansteckend“, schildert der Arzt.

Dass eine natürliche Infektion ein Schutz vor weiteren Infektionen ist, sei ein Irrglaube: „Wir wissen, dass die Immunität, wenn wir Corona gehabt haben, relativ rasch abnimmt. Das Risiko für jemanden, der infiziert war, sich mit Corona in den nächsten zwei Jahren erneut anzustecken, liegt bei zirka 50 Prozent. Außer natürlich, man lässt sich impfen.“

„Seine Freunde haben ihm zur Infektion gratuliert“
Hasibeder kann von einem anderen bedenklichen Fall berichten: „Wir hatten kürzlich einen Covid-19-Patienten, der knapp über 30 Jahre alt ist. Er gehört einem Freundeskreis an, dessen Mitglieder alle Impfgegner und ungeimpft sind. Seine Freunde haben ihm Nachrichten geschrieben und ihm leichtfertig zu seiner Infektion gratuliert. Doch der Zustand des Patienten hat sich binnen weniger Stunden so verschlechtert, dass wir ihn intubieren und künstlich beatmen mussten. Wenige Stunden später benötigte er einen künstlichen Lungenersatz (ECMO-Therapie). Es ist nicht lustig, wenn man sich als junger Mensch mit Covid infiziert – auch wenn die Gefahr für Junge, einen schweren Verlauf zu bekommen, nicht so hoch ist.“

„Immunisierungsrate von 85 Prozent notwendig“
Österreichweit landen immer wieder junge Menschen im Krankenhaus – unabhängig, ob sie „Zuckerl-Partys“ besucht haben. „In Ostösterreich befanden sich schon knapp über 20-Jährige auf den Intensivstationen, ebenso in Tirols Spitälern.“

Prinzipiell betont der Mediziner, dass keiner wisse, ob er vor einem schweren Covid-19-Verlauf gefeit sei. Das sei wie eine Lotterie. Eine gute Nachricht gebe es dennoch: „Wenn man in der ersten Welle eine Infektion durchgemacht hat und sich rund sechs Monate danach impfen lässt, könne es gut sein, dass man eine ,Super-Immunität‘ entwickelt“, erklärt Hasibeder und ergänzt rasch: „Aber bevor ich mich infizieren lasse, lasse ich mich doch impfen. Die mit Februar in Österreich in Kraft tretende Impfpflicht ist extrem wichtig. Wir benötigen eine Immunisierungsrate von 85 Prozent.“

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