20.11.2021 06:00 |

„Krone“-Check

Verzerrte Wahrnehmung führte in den Lockdown

Landeshauptmann Wilfried Haslauer wollte in den vergangenen Tagen sein Zögern mit angeblich stagnierenden Zahlen und einander widersprechenden Experten rechtfertigen.

Mehrmals hat Salzburgs Landeschef Wilfried Haslauer in den vergangenen Tagen und Wochen seine Einschätzung zur Lage geändert, die „Krone“ berichtete. Der Zickzack-Kurs verwirrte vor allem die Bevölkerung. Bemerkenswert war aber der Donnerstag, als sich Haslauer zum Lockdown entschied. Der Grund waren die enorm hohen Neuinfektionen an diesem Tag und dass der Landeschef in den Tagen zuvor eine Stagnierung beobachtet habe. Fakt ist: Bei überlasteten Laborkapazitäten kann man an keinem Tag genau sagen, wieviele Fälle es tatsächlich waren. Klar war, dass die Kurve steil nach oben zeigt. Dafür gibt es die 7-Tage-Inzidenz.

Lockdown-Warnungen spätestens seit September
In einem Fernsehinterview am Abend waren dann wieder viele Seher fassungslos. Sinnlich zusammengefasst: Einen Lockdown im Juli hätte niemand mitgetragen weil es keinen einzigen Intensivpatienten gab. Was will Haslauer mit so einer absurden Information bezwecken? Warum hätte es im Juli einen Lockdown geben sollen? Niemand hat ihn damals gefordert.

Auch auf widersprüchliche Aussagen der Wissenschafter berief sich Haslauer mehrmals. Diese seien im Sommer uneinig über den weiteren Verlauf der Pandemie gewesen. Das stimmt nur für den Hochsommer.

Spätestens Anfang September gab es klare Warnungen. Bei der Lockdown-Verkündung am Donnerstag berief sich Haslauer auf den Epidemiologen Gerald Gartlehner und Komplexitätsforscher Peter Klimek.

Die beiden Experten sagten am 12. August tatsächlich, dass großflächige Schließungen im Herbst nicht mehr notwendig seien. Bereits am 8. September stellte sich die Lage aber anders dar. Da sagte Gartlehner die Antigen-Selbsttests dürften nicht als Zutrittsnachweis gelten, die 2-G-Regel solle bald kommen und aufgrund der niedrigen Impfquote sei ein weiterer Lockdown nicht auszuschließen. Wien folgte diesen Empfehlungen mit Anfang Oktober und steht heute wesentlich besser da. In Salzburg galten etwa die Wohnzimmertests noch bis Ende Oktober. Da lagen bereits 15 Patienten auf den Intensivstationen. Für deutlich weniger einschneidende Maßnahmen war es zu spät.

Matthias Nagl
Matthias Nagl
Von
Felix Roittner
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