Trotz Hindernisse

Das letzte Land ohne Fußball will jetzt zur WM!

Ein Land ohne Fußball, wie geht das, fragen Sie sich? Nun, die Marshallinseln in Mikronesien sind das einzige vom UNO anerkannte Land gewesen, in dem sich der Fußball nicht durchsetzen konnte. Bis jetzt.

Wie eine Reportage von „The Athletic“ enthüllt, wollen sich jetzt auch die Marshallinseln für die WM qualifizieren. Nicht für die in Katar, aber für eine der Nächsten. Die UNO zählt 195 Länder, davon rennen in 194 die Menschen dem runden Leder nach. Eine Ausnahme gab es bisher: die Marshallinseln.

Die Marshallinseln waren bis jetzt eher für US-Atomtests nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt und auch als Steuerparadies, aber das Land zwischen Australien und Hawaii kam aus sportlicher Hinsicht selten in die Nachrichten. Es leben ja lediglich 60000 Menschen hier.

Statt Thunfisch
Das Land ist nach dem englischen Schiffskapitän John William Marshall benannt, der 1788 die Insel erforschte. 1991 erklärte das Land seine Unabhängigkeit von den USA. Sportlich war man eher länger von den Vereinigten Staaten abhängig, man spielt heute noch Basketball, Softball und Volleyball. Sonntags geht man Thunfisch fischen, wie auch an den anderen Tagen.

Das könnte sich nun schlagartig ändern. Denn ein Mann namens Shem Livaii, der lange auf den Virgin Islands lebte und dort den Fußball kennenlernte, gründete am letzten Tag des 2020er-Jahres den Fußballverband der Marshallinseln und seitdem scheut er keine Mühe, um den Sport auf der kleinen Insel populär zu machen.

Anwälte als Mitglieder
Die ersten Mitglieder des neuen Verbandes wurden allesamt Anwälte von den Solomon-Inseln. Das erklärte Ziel, die WM-Quali, schien nicht unerreichbar. Dazu muss man aber Mitglied des ozeanischen Fußballverbandes werden. Voraussetzung dafür ist ein brauchbares Stadion. Dazu braucht man ein Areal von 7000 Quadratmetern.

Das Problem ist, dass selbst die größte Insel der Inselgruppe, Majuro, nur neun Quadratkilometer misst. Zudem wies die Weltbank das Land darauf hin, dass der Meeresspiegel sich in der nächsten Zeit erhöhen wird. Deshalb müsste vorher ein Damm gebaut werden. Die Felsen müssen verhindern, dass das Meereswasser das Land überschwemmt. Das Land, wo auch das Stadion stehen würde.

Zuerst die Natur
Es muss daher vor der Etablierung des Fußballs vor allem ökopolitisch gedacht werden. Erst, wenn für die Natur gesorgt ist, kann man von größeren Projekten träumen. Bis dahin spielen die Teenager zwischen zehn und 17 Jahren Fußball auf Sand. Und träumen davon, dass ihre Kinder „wie die Kinder von Messi und Ronaldo“ einmal professionell Fußball spielen können.

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Sonntag, 28. November 2021
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