Coach Gerhard Struber

„Wir gehen voll auf Angriff!“

Salzburg
14.11.2021 13:00
Gerhard Struber (44) schaffte das fast Unmögliche und führte New York RB nach Stolperstart noch in die Play-offs der Major League Soccer Warum er klare Ziele formuliert und wie er mit großem Druck umgeht

Herr Struber, Sie haben mit New York RB auf den letzten Drücker noch das Play-off-Ticket fixiert. Wie sehr hat Ihr Nervenkostüm gelitten?

(lacht) Das war eine Nervenschlacht! Durch den schlechten Sommer hatten wir massiven Druck. Jedes Spiel war auf Messers Schneide. Wir haben uns aber extrem gefestigt und es durch einen unglaublichen Lauf noch geschafft.

Wie gelang die Trendwende, was lief davor falsch?

Wenn du vieles von links auf rechts drehst, dann mündet das auch in Fehlern. Unsere Spielidee ist besonders, das hat es den Neuzugängen anfangs nicht leicht gemacht. Formschwankungen waren keine Überraschung. Der Glaube, es zu schaffen, war aber immer da und hat sich manifestiert. Das wurde zu einem Schlüssel für den Erfolg.

Jetzt wartet Philadelphia Union mit Ernst Tanner. Den kennen Sie aus Salzburg.

Genau. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis, er war ein wichtiger Austauschpartner für mich. Philadelphia ist in der Entwicklung uns gegenüber voraus und ein echter Berg, der sich auftürmt – den wollen wir aber versuchen zu verschieben.

Mit Youba Diarra und Carlos Coronel stehen zwei Salzburg-Leihgaben im Kader. Wie bewerten Sie die beiden?

Carlos hat eine galoppierende Entwicklung genommen und ist vielleicht der beste Torhüter der Major League Soccer. Es ist relativ klar, dass wir die Option auf eine weitere Saison mit ihm ziehen. Youba war lange verletzt und wird immer stabiler. Mein Wunsch ist, dass auch er bei uns bleibt.

Während andere Trainer sich sehr zurückhaltend geben, haben Sie für die kommende Saison den Gewinn des MLS-Cups als Ziel ausgegeben. Warum so offensiv?

Ich möchte den nächsten Schritt setzen. Wir haben unsere Spielidentität gefestigt und können uns zutrauen, dieses Ziel auch in den Mund zu nehmen.

Keine Angst vor dem dadurch entstehenden Druck?

Ich posaune ja nichts für die Öffentlichkeit raus, sondern wir haben den Glauben daran, wenn es uns gelingt, die Mannschaft zusammenzuhalten und noch mal zu verstärken. Angreifbar bin ich als Trainer sowieso. Ich bin aber hierhergekommen, um um Titel zu spielen. Wir gehen daher voll auf Angriff!

Wie empfinden Sie das Leben generell in New York?

Die Stadt ist fulminant, ich bin begeistert von den vielen Möglichkeiten und sauge die Energie auf. Viel Zeit bleibt aber nicht, da ich 40 Minuten außerhalb von New York City wohne und nur am Fliegen oder am Trainingsplatz bin, wenn wir wieder mal zehn Spiele am Stück vor uns haben.

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