Nach Prügel-Attacke

Elie Rosen: „Hege gegen Angreifer keinen Groll“

Steiermark
21.10.2021 06:30

Am Donnerstag startet am Grazer Straflandesgericht der Prozess gegen jenen radikalen Syrer, der 2020 den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde in Graz mit einem Holzprügel angriff. Im „Krone“-Interview sagt Elie Rosen: „Er kann den Schaden niemals gut machen!“

„Krone“: Herr Präsident, haben Sie den Angriff vor einem Jahr schon verdaut?
Elie Rosen:
Ja, der Vorfall ist so weit verarbeitet, wenngleich ich ihn freilich nicht aus meinem Gedächtnis zu streichen vermag. Der Alltag hat uns wieder, aber es hat sich vieles verändert, vor allem, was die Sicherheitsmaßnahmen anbelangt.

Kann man sich daran gewöhnen, wenn Feiern oder das tägliche Arbeiten nur unter Schutz möglich sind?
Strenge Sicherheitsmaßnahmen gehören für uns als jüdische Gemeinde zur traurigen Normalität. Dass wir unsere Schulen, Synagogen und sonstigen Einrichtungen nur unter Sicherheitsvorkehrungen betreten können, ist unser Alltag. Wichtig ist mir, dass Menschen geschützt werden. Aber ja, wir würden lieber das Geld für anderes ausgeben als für Bewachung.

Empfinden Sie Genugtuung, dass der Täter endlich vor Gericht gestellt wird?
Nein, da empfinde ich keinerlei Genugtuung. Ich habe keine, wie auch immer geartete Beziehung zum Täter aufgebaut. Den Sachschaden kann dieser nicht gutmachen, den psychischen sowieso nicht. Da er, soweit ich informiert bin, als gefährlich eingestuft wurde, ist es vorrangig, dass die Allgemeinheit vor ihm geschützt wird. Ich hege aber keinen persönlichen Groll gegen den Täter.

Fühlen Sie sich in Graz ausreichend geschützt?
Ja, da hat die Politik dankenswerterweise auch mittlerweile viel unternommen.

Hat sich aus Ihrer Sicht die Sicherheitslage für Juden verschlechtert?
Ja, Antisemitismus ist in Europa leider wieder salonfähig geworden. Die Zahl auch der körperlichen Übergriffe hat zugenommen, es bleibt nicht mehr nur bei Worten. Da sollten bei allen die Alarmglocken schrillen.

Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger
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