31.08.2021 18:00 |

Übersiedelung

Wie der alte Jodlhof in Hochsöll zum Puzzle wurde

Balken für Balken und Holzbrett für Holzbrett übersiedelte der 300 Jahre alte Jodlhof nach Hochsöll. Involvierte Experten geben dort am 3. September Einblicke in altes Handwerk.

„Die Wasserwaage war verboten“, lacht Tischlermeister Max Schlemaier aus Söll. Denn was sich über die Jahrhunderte verzogen hatte, abgesackt oder aus dem Winkel geraten war, sollte auch weiterhin so bestehen bleiben. Bis 1996 wohnte eine Familie im alten Jodlhof – bis er auf der gegenüberliegenden Bergseite neu entstand. Dort, in Hochsöll, integrierten ihn die Bergbahnen als „Hexerei“ in das bekannte „Hexenwasser“.

Teile durchnummeriert
„Wir haben jeden einzelnen Teil durchnummeriert. Größte Vorsicht war beim Abbau geboten, denn das alte Holz zerreißt beim Herauslösen schnell“, erzählt Schlemaier. Know-how kam von Architekt Peter Knapp, federführend beim Auf- und Abbau war die Zimmerei Koller aus Söll. Die Erkenntnis von Holz-Profi Schlemaier: „Damals wurde nichts ohne Sinn gemacht – während heutzutage oft der Schein zählt. Etwa wenn Spanplatten extra furniert werden.“

Kalk auf Holzwand hält die Fliegen ab
Malermeister Rainer Höck werkte bei der „Wiederauferstehung“ des Hofes in seinem Metier. „In der Küche haben wir auf das Holz Kalk aufgetragen, so wie es einst war. Kalk ist auf natürliche Art alkalisch und trägt zur Hygiene bei.“ Bei den Fugen zwischen den Balken wurde Lehm verwendet. „Ein Baustoff mit jahrtausendealter Tradition und vielen spannenden Eigenschaften. Etwa, dass er auch nach langer Zeit beweglich wird, wenn man ihn anfeuchtet“, sagt Höck.

„Viele altbekannte Materialien und Techniken verkörperten das, was wir heute unter Schlagworten wie Klima und Nachhaltigkeit immer mehr diskutieren“, sind die Experten überzeugt. Manchmal waren unsere Vorfahren also ihrer Zeit voraus.

Veranstaltung am Freitag im Jodlhof
Und so war es nur konsequent, dass das Netzwerk Handwerk am 3. September ab 14.30 Uhr im „neuen“ Jodlhof zum Gespräch mit Schlemaier und Höck über alte und wieder aktuelle Bauweisen lädt. „Handwerk Tour und Talk“ nennt sich das Format. Der Eintritt ist frei. Es besteht die 3-G-Regel und die Begrenzung auf zwölf Teilnehmer. Anmeldung erbeten unter: info@netzwerk-handwerk.tirol

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