Fund im Süden von Graz

Koralmbahn-Baustelle: Römische Straße freigelegt

Steiermark
27.08.2021 10:50

Archäologische Sensation auf der steirischen Koralmbahn-Baustelle: Nahe des Güterterminals Werndorf, zwischen Feldkirchen und Weitendorf, wurde erstmals seit 1937 wieder ein Teilstück der römischen Staatsstraße durch das Murtal freigelegt. Die historische Route ist rund 2000 Jahre alt.

„Diese Straße, errichtet vor knapp 2000 Jahren, war beim damaligen Stand der Technik ein Infrastrukturprojekt, vergleichbar mit jenem der Koralmbahn. Mit Unterstützung der ÖBB war es erstmals seit 1937 möglich, einen 486 Meter langen Abschnitt beim Güterterminal Werndorf komplett freizulegen - trotz komplexer Rahmenbedingungen“, erklärt Gerald Fuchs, Leiter der ARGIS Archäologie Service GmbH. Bereits vor Baubeginn wurde dort die römische Staatsstraße mit der Abzweigung einer römischen Nebenstraße erwartet. Die Erwartungen wurden noch übertroffen, wie die ÖBB am Freitag mitteilten.

Die Koralm-Baustelle auf Pfaden der alten Römer (Bild: Argis)
Die Koralm-Baustelle auf Pfaden der alten Römer

Staatsstraße war rund 23 Meter breit
„Im Grazer Feld war die Fahrbahn der römischen Schotterstraße rund neun Meter breit. Dazu kommen noch die beiden Straßengräben, parallele Reitwege und Trampelpfade - zusammen ergibt das ungefähr 23 Meter Breite“, so Fuchs. Die etwa 200 Kilometer lange römische Staatsstraße war eine wichtige inneralpine Verbindung zwischen der Bernsteinstraße im Osten von Aquileia bei Grado (Oberitalien) nach Vindobona und der Alpenquerung von Oberitalien nach Virunum - der „Norischen Hauptstraße“ von Maria Saal bei Klagenfurt bis nach Enns an der Donau.

Koralmbahn als Hotspot für die Archäologie
Die Freilegung der römischen Staatsstraße reiht sich in eine beachtliche Anzahl archäologischer Fundstellen entlang der Koralmbahn ein. In der Weststeiermark fand man im Leibenfeld das erste mittelbronzezeitliche Grabmonument aus dem 15. bis 14. Jahrhundert vor Christus sowie ein dichtes Netz aus früheren Wegen und Fahrspuren. 

Im Lassnitztal wurde eine komplette Siedlungslandschaft entdeckt, mit Fundstellen aus der Jungsteinzeit, Bronzezeit, Urnenfelderzeit, Latènezeit und der Römerzeit. Eine rund 26 Kilometer lange römische Nebenstraße führt nach Deutschlandsberg. In der Steiermark und in Kärnten wurden Tausende Funde geborgen, die völlig neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte erbringen.

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