Reine Willkür

Waren über Ebay verkauft - PayPal fror Geld ein

Tirol
26.02.2011 17:01
Die Handels- und Auktionsplattform Ebay erfreut sich großer Beliebtheit, auch in Tirol. Nicht mehr gebrauchtes Hab und Gut kann damit einfach zu Geld gemacht werden. Seit einiger Zeit fungiert der gesichtslose "Treuhand-Service" PayPal zwischen Verkäufer und Käufer. Leider oft nicht zur Freude der Beteiligten.

Marco F. (Name geändert) wollte dieser Tage auf Ebay Geld verdienen. Er stellte zwei Uhren, Handys, E-Books und weitere Waren ins Netz und ließ die Mitglieder auf seine Habseligkeiten bieten. Der Verkäufer erfreute sich an einem großen Ansturm von Kunden, die Waren gingen weg "wie heiße Semmeln". Circa 1.000 Euro lukrierte der Tiroler.

PayPal: Mitgliedszwang
Spannend wurde es, als die Zahlungsmodalitäten auf den Plan kamen: Ebay verpflichtet alle Kunden, bei PayPal – einem online Treuhand Service und Tochterbetrieb – Mitglied zu werden. Wer nicht dabei ist, darf nicht verkaufen. Die Grundidee des Zahlungsservices ist sinnvoll: Der "Treuhänder" schaltet sich zwischen Verkäufer und Käufer. Wenn die Ware ordnungsgemäß versandt wurde, wird das vom Käufer überwiesene Geld von PayPal freigeschaltet. Doch dies ist nur die Theorie.

In der Praxis erlebte Marco sein blaues Wunder: Er sah, wie das Geld auf sein PayPal-Konto überwiesen wurde und verschickte die Waren. Tags darauf wurde sein PayPal-Konto gesperrt. PayPal begründete diese Sperre mit "ungewöhnlichen Aktivitäten" auf diesem Konto. Der Internetdienst verlangte nun Identitäts- und Adressnachweise des jungen Händlers. Dieser befolgte das datenschutzrechtlich fragwürdige Vorgehen umgehend.

"Widerspruch abgelehnt. Wir haben Ihre PayPal-Kontobewegungen analysiert. Die uns daraus entstehenden Risiken schätzen wir für uns als zu groß ein. Deshalb beenden wir die Geschäftsbeziehungen mit Ihnen", so PayPal per Mail. Marcos verdientes Geld wird von PayPal für 180 Tage zinslos eingefroren! Die Gebühren kassierten Ebay (8 Prozent) und PayPal (3,4 Prozent) vorher. "Es bestehe in dem konkreten Fall ein Haftungsrisiko", so PayPal zur "Krone". Fast alle angebotenen Artikel wurden von Marco verschickt, sein Geld ist dennoch vorerst einmal nicht greifbar.

Account geschlossen
Nach der PayPal-Sperre wurde auch Marcos Ebay-Account geschlossen und alle Auktionen gelöscht. Zwei Waren hatte der Tiroler noch nicht verschickt, das Geld dafür aber erhalten. Durch die Ebay-Sperre konnte er weder die Adressen seiner Kunden einsehen, noch Kontakt aufnehmen. PayPal behält sich in seinen AGBs vor, Geschäftsbeziehungen jederzeit zu beenden. Konsumentenschützer haben damit "mehr als genug zu tun". Kunden seien der Willkür beider Firmen völlig ausgeliefert.

Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen ist nahezu unmöglich. Marco wurde zu einem Kundenservice in Berlin verbunden. Dort hatte man von dem Fall keine Ahnung. "Mit dem Sachbearbeiter darf ich Sie nicht verbinden", so die Call-Center-Dame, dann legte sie auf.
180 Tage lang muss Marco nun auf sein Geld warten. Seine Käufer sind verunsichert, sie haben sich beschwert und wollen die Auktionen teilweise rückgängig machen. Von Ebay und PayPal wird Marco in Zukunft wohl die Finger lassen.

von Matthias Holzmann, "Tiroler Krone"

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