"Krone"-Reportage

Zu Gast beim letzten Rodelbauer in der Steiermark

Steiermark
20.02.2011 10:41
Franz Leitner (Bild) stellt Rodeln noch in alter Handarbeit her. Die "Steirerkrone" stattete ihm in seiner Werkstatt in Pöllau einen Besuch ab.

Die tückische Kuppe ist die Schlüsselstelle, an der sich alles entscheidet: "Hier merk ich genau, ob die Rodel zieht oder nicht", blickt Franz Leitner mit Respekt auf seine persönliche Teststrecke. Er ist der letzte Rodelbauer in der Steiermark, und am sanften, schneebedeckten Hang hinter seinem Haus werden die handgemachten Unikate dem letzten Härtetest unterzogen.

Gestört wird er bei dieser Arbeit nicht: Es ist Winter, und so hat sich - dank des gesperrten Sölkpasses - die Stille gemütlich gemacht im Ort Pöllau am Fuße des exakt 2.474 Meter hohen Greim (Gemeinde St. Peter am Kammersberg). Wenn Leitner aber die Tore zu seiner kleinen Werkstatt öffnet, betritt man eine andere Welt. Es ist ein Ort des Tüftelns und Bastelns, an dem der Duft von frischem Holz die Nase erfreut und Späne durch die Luft wirbeln. Es wird geleimt, geschliffen und lackiert. Hier wird das alte, fast vergessene Handwerk der Wagnerei hochgehalten.

Ein Flitzer als Geschenk
"Ich mache fast alles selber", erklärt der 48-Jährige, während er gerade wieder einen Schlitten fertigstellt. "Martins Flitzer" hat Ehefrau Maria auf die Sitzfläche gestickt. Die Rodel wird ein Geschenk, so wie fast alle. "Die meisten Bestellungen, sogar aus Deutschland, gibt es natürlich vor Weihnachten, das ist Hauptsaison."

Ware von der Stange gibt es bei Franz Leitner nicht. Eines verbindet seine Kunstwerke aus Holz aber: Sie überzeugen auf den Hügeln dieser Welt. "Meine Rodeln lassen sich gut lenken, und sie haben auch gute Gleiteigenschaften." Einige Geheimnisse seien verraten: Leitner verwendet ausschließlich Eschenholz, "das ist zäh und feingewachsen". Die Kufen sind leicht schräg gestellt. Alle Teile sind austauschbar. Und im Gegensatz zu vielen Billigschlitten made in Fernost sind die Schienen gleich breit wie die Kufen, es entsteht keine Reibung.

"So schnell, das war ein Schreck!"
Das Rodelbauen hat der gelernte Tischler perfektioniert. Er macht es schon seit fast 25 Jahren. Ausschlaggebend war eine Begegnung der eher unheimlichen Art: "Es gab früher viele Landjugendrennen im Bezirk. Einmal borgten wir uns einen Schlitten von einem Mädchen aus St. Georgen ob Murau aus, der fuhr so schnell, da haben wir uns g'schreckt." Leitner wollte mehr davon, doch der Kauf einer Rodel im Sportgeschäft enttäuschte. "Deswegen habe ich begonnen, daheim ein wenig herumzubasteln." Immer besser wurden die Schlitten, auf die zuerst vor allem Freunde und Bekannte des Murtalers abfuhren.

Das "Rodel-Gen" weitervererbt
Vor einigen Jahren hat Leitner dann ein Gewerbe angemeldet. Etwa zwanzig Rodeln stellt er pro Jahr her, dazu auch Eisstöcke, Holzspielzeug, Ratschen usw. Selbst eine Kutsche wäre denkbar, "aber das ist leider nicht finanzierbar". Für ein paar Minuten ruht die Arbeit, es geht begleitet von den Söhnen Andreas und Stefan sowie dessen Freundin Tanja auf die Teststrecke. Ein Wettrennen sorgt für viel Gelächter; das "Rodel-Gen" scheint vererbbar zu sein. Aber Achtung: Da gibt es noch die kleine Kuppe. An der entscheidet sich alles...

von Jakob Traby, "Steirerkrone"

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