Tour gegen Windpark

Sogar der Wind streikte bei Protest der Skibergsteiger

Tirol
13.02.2011 13:40
"Wir werden da sein für das Wohl unserer Berge und für eine unbelastete Naturlandschaft – dafür werden wir kämpfen": Tosender Applaus von Hunderten Skibergsteigern für Peter Thaler, Chef des Alpenvereins Gossensaß, auf dem Hohen Lorenzenberg in 2.315 Metern Seehöhe. Dort im direkten Grenzgebiet von Südtirol/Nordtirol will ein Südtiroler Unternehmer einen Windpark mit 31 bis zu 100 Meter hohen Windrädern errichten.

Und als ob sich der Hauptdarsteller Wind mit den Protestierern verbündet hätte und selbst gegen das Monsterprojekt zur Wehr setzt: Während der Protest-Skitour strahlte die Sonne, der Wind streikte.

Nicht gegen Windenergie, nur gegen Standort
"Wir sind nicht gegen die Windenergie, wir sind nur gegen diesen Standort", sprach Robert Renzler, Generalsekretär des Österreichischen Alpenvereins: "Der Gesamtenergiebedarf für das Projekt ist höher als jemals Strom aus den Windrädern gewonnen werden kann. Es rechnet sich ja nur, weil Öko-Strom steuerlich gefördert wird. Fällt sie, werden die Windräder über Nacht still gelegt. Es gibt in den ganzen Alpen über 2.000 Meter Seehöhe kein derart riesiges Bauprojekt. Es ist daher eine Schlacht, die wir für den gesamten Alpenraum und für unsere Heimat fechten. Wir kämpfen für die Natur, die keine Stimme hat."

Auch Franco Capraro, Chef des Club Alpino Italiano und Sprecher des Club Arc Alpin, der zwei Millionen Bergsteiger im Alpenraum vertritt, gibt sich kämpferisch: "Die Windräder würden an der wichtigsten Vogelzugstrecke der Alpen stehen. Bis zu 5.000 Vögel pro Stunde müssten exakt in Höhe der Windräder einen Weg von Nord nach Süd und umgekehrt finden. Das wäre verheerend für die Tiere."

"Es ist nicht alles Gold, was glänzt"
Als schlichtweg "unerträglich" beurteilt Manfred Scheuermann vom Deutschen Alpenverein das Projekt: "Es müssten Straßen in eine hochsensible Gebirgsregion gebaut werden. Nicht auszudenken, welche Folge diese Zerstörung hätte. Es gilt alle Kräfte zu bündeln und den Windpark unbedingt zu verhindern." Judith Egger vom Alpenverein Südtirol richtet sich in ihrem Appell direkt an die Projektbetreiber: "Es ist nicht alles Gold, was glänzt, in diesem Fall das Geld."

Natürlich waren alle Skibergsteiger bei der Demonstration am Samstag gegen das Projekt. Bertram Grießer, seit 37 Jahren Mitglied beim Alpenverein Matrei am Brenner und rund 80 Tage im Jahr auf den Brennerbergen unterwegs: "Es ist schon klar, dass die Wirtschaft leben muss. Aber es braucht auch einen Bereich, in dem die Natur sich selbst überlassen ist und den Erholungssuchende nutzen können."

von Günther Baumhackl, "Tiroler Krone"

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