03.07.2021 19:00 |

Frauen im Abseits

Von Gleichstellung kann im Ländle keine Rede sein

Der jüngst vorgestellte Gleichstellungsbericht ist im Grunde ein einziges Armutszeugnis für das Land Vorarlberg: Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind nach wie vor eklatant, Frauen in Vollzeit-Beschäftigung verdienen im Schnitt um 23,3 Prozent weniger als Männer, in Teilzeit sind es gar 47,5 Prozent.

„Nirgendwo in Europa ist der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern größer als in Vorarlberg.“ Dieser zentrale Satz von Sabine Juffinger, die im Auftrag des Landes den Gleichstellungsbericht verfasst hat, müsste eigentlich bei jedem die Alarmglocken klingen lassen. Die Defizite im Land sind struktureller Natur: Zum einen entscheidet sich ein Gutteil der Vorarlbergerinnen nach wie vor für klassische Frauenberufe, die systemisch unterbezahlt sind, während Männer vorzugsweise in gut dotierte technische Berufe drängen. Und zum anderen arbeiten im Ländle 51,1 Prozent der berufstätigen Frauen nur in Teilzeit - nirgendwo in Österreich ist diese Quote höher. Das wirkt sich nicht nur negativ auf Einkommen und Karrierechancen aus, sondern zementiert auch die klassische Rollenverteilung - die Frau als Heimchen am Herd, der Mann als Ernährer. Insofern erstaunt es nicht, dass in Vorarlberg nur 13 Prozent der Väter in Karenz gehen, während es im Österreichschnitt immerhin 20 Prozent sind.

Zitat Icon

Nirgendwo in Europa ist der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen größer als in Vorarlberg.

Studienautorin Sabine Juffinger

Die niedrigen Einkommen und hohe Teilzeitquote führen auch dazu, dass Frauen - insbesondere im Alter und nach einer Trennung - verstärkt von Armut bedroht sind. Das Medianeinkommen von Vorarlberger Pensionistinnen lag 2019 bei 14.680 Euro brutto - in keinem anderen Bundesland ist es weniger. Und: Fast ein Viertel der Vorarlbergerinnen über 60 Jahre bezieht gar keine Eigenpension!

Auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist der Vorarlberger „Geschlechterkonservatismus“ ein einziges Fiasko: Eine Region, in welcher verzweifelt Fachkräfte gesucht werden, kann es sich einfach nicht leisten, dermaßen viel „Frauen-Power“ brachliegen zu lassen. An Potenzial und Know-how fehlt es jedenfalls nicht: Von den Maturanten sind mittlerweile zwei Drittel weiblich.

Die für Gleichstellung zuständige Landesrätin Katharina Wiesflecker hat bereits angekündigt, das „komplexe Thema“ auf mehreren Ebenen angehen zu wollen, etwa mit einer Neubewertung von Arbeit, mehr Flexibilität, Lohntransparenz und Beratungsangeboten. Neu sind derlei Absichten freilich nicht, passiert ist bis dato allerdings nur sehr wenig.

 Vorarlberg-Krone
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