525 Gramm Thiopental seien laut dem ORF im Herbst 2010 um umgerechnet 27.560 Euro an die US-Justizbehörden geliefert worden. Damit könne man 100 Personen vor der Hinrichtung betäuben, sodass sie die Wirkung einer zweiten Spritze mit einem Atem- und Herzlähmungsmittel nicht mehr spüren. Allerdings soll der Thiopental-Verkauf nicht direkt, sondern über den britischen Zwischenhändler Archimedes abgewickelt worden sein, wo die US-Justizbehörden vergangenes Jahr fündig geworden seien, hieß es in dem Bericht.
Konzern ist sich keiner Mitschuld bewusst
Sandoz teilte in einer Reaktion am Mittwochabend mit, man könne nicht bestätigen, dass das in den USA verwendete Mittel tatsächlich von Sandoz stamme. Es sei nicht möglich, die gesamte Lieferkette zu kontrollieren. Es würden jedoch alle Niederlassungen angewiesen, das Mittel künftig nicht an die Vereinigten Staaten zu verkaufen.
Gesundheitsminister Alois Stöger erklärte dazu, eine missbräuchliche Verwendung des Mittels müsse ausgeschlossen werden - ein Exportverbot sei in Österreich aus rechtlichen Gründen allerdings nicht möglich. Auch der deutsche Gesundheitsminister Philipp Rösler hat erst kürzlich an die deutsche Pharmaindustrie appelliert, Anfragen aus den USA zur Lieferung von Thiopental nicht zu entsprechen. Sein Ministerium prüfte auch ein Ausfuhrverbot, fand jedoch ebenso keine rechtliche Möglichkeit dafür.
Einer von drei Giftcocktail-Bestandteilen
Das Mittel Natrium-Thiopental ist einer von drei Bestandteilen des tödlichen Giftcocktails, den Todeskandidaten bei den durchschnittlich 55 Vollstreckungen im Jahr bekommen. Das US-Unternehmen Hospira aus dem US-Bundesstaat Illinois, das die Produktion in den USA mittlerweile eingestellt hat, stellt Thiopental derzeit in einem Betrieb nahe Mailands her. Doch laut dem Unternehmen habe Rom im Dezember 2010 die Ausfuhr des Medikamentes in die USA auf Betreiben mehrerer Parteien verboten, eben weil es dort zu Hinrichtungen verwendet werde. In Großbritannien wiederum muss seit vergangenem Dezember bei einer Ausfuhr nachgewiesen werden, dass das Mittel ausschließlich für medizinische Zwecke eingesetzt wird.
Die Knappheit des Mittels hatte im vergangenen Jahr bereits dazu geführt, dass in Oklahoma ein Mörder mit Pentobarbital, das chemisch mit einem sonst zum Einschläfern von Tieren verwendeten Medikament verwandt ist, hingerichtet wurde. Todeskandidaten in dem Bundesstaat erhoben nun Einspruch gegen die Verwendung von Pentobarbital. Der Einsatz dieses Mittels sei inhuman, da es Menschen lähmen könnte, die dann aber noch bei Bewusstsein seien, wenn ein weiteres Mittel verabreicht werde, das schließlich zum Herzstillstand führe, hieß es.









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