Almabtrieb vorgezogen

Schafbauer nach Rissen: „Situation ist untragbar“

Tirol
01.07.2021 06:47

Nach rund 40 im Gebiet von Oberhofen (Tiroler Bezirk Innsbruck-Land) mutmaßlich von einem Wolf gerissenen Schafen haben die Schafbauern des Ortes genug: Sie haben jetzt sämtliche 300 Tiere, die erst vor einem Monat aufgetrieben wurden, wieder ins Tal gebracht. „Die Situation ist für uns untragbar“, sagt der zuständige Hirte und Schafhalter Karl Föger.

Nach einer Woche hat man die ersten zwei toten Schafe gefunden. „Da schöpften wir noch keinen Verdacht und schlossen eine natürliche Todesursache nicht aus“, sagt Karl Föger. Erstmals stutzig wurden die Schafhalter freilich, als ihnen ein Wanderer Fotos von einem toten Schaf mit blutiger Kehle schickte. Der hinzugezogene Amtstierarzt bestätigte den Wolfsverdacht und entnahm DNA-Proben.

Tränen bei den Bauern
Der erste Vorfall datiert vom 14. Juni. Und er blieb bei weitem nicht der einzige. Laufend fanden die Schäfer zerfleischte und tot gebissene Tiere über das gesamte Gebiet verstreut.

Karl Föger und die anderen Oberhofer Schafbauern brachten die Tiere aus Furcht vor weiteren Rissen durch Wölfe ins Tal. (Bild: Karl Föger)
Karl Föger und die anderen Oberhofer Schafbauern brachten die Tiere aus Furcht vor weiteren Rissen durch Wölfe ins Tal.
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Sie waren so übel zugerichtet, dass selbst erfahrenen Schafbauern beim Anblick die Tränen kamen.

Schafbauer Karl Föger

„Sie waren so übel zugerichtet, dass selbst erfahrenen Schafbauern beim Anblick die Tränen kamen“, sagt Föger. Der Amtstierarzt begutachtete nach seiner ersten Visite noch mehrmals Kadaver und entnahm Proben. Jedes Mal bestätigte er den Verdacht auf Wolfsriss. In einem Fall konnten Risse inzwischen einem Wolf aus der italienischen Population zugeordnet werden.

Almabtrieb, 50 Schafe fehlten
Föger stellte bei den überlebenden Schafen außerdem eine große Nervosität fest. „Vor Furcht zogen sie sich bis in die Felsen zurück, einige stürzten dabei in den Tod.“ Am Dienstag dieser Woche reichte es den Bauern dann: Sie trieben sämtliche verbliebene Tiere ab ins Tal. Die Zählung im Ort ergab, dass von ursprünglich 300 Schafen 50 fehlten. „Zieht man ein Prozent natürliche Todesursachen ab, fielen insgesamt wohl 40 Tiere dem Wolf zum Opfer.“

(Bild: Christof Birbaumer (Symbolbild))

Für die Oberhofer Bauern stellt sich nun jedenfalls die Sinnfrage. „Auch wenn wir finanzielle Entschädigungen erhalten, kann es so nicht mehr weitergehen. Wir kümmern uns im Tal um die Tiere und müssen dann tatenlos zusehen, wie sie gerissen werden.“

Weiden im Tal ungeeignet
Außerdem stellt sich im Sommer im Tal die Problematik der Tiergesundheit. Bergschafe vertragen Hitze extrem schlecht, Talweiden und Ställe sind ein denkbar schlechter Platz für Schafe in der heißen Jahreszeit. Einige Bauern sehen dennoch keine andere Möglichkeit, als die Tiere im Tal zu lassen. Andere weichen auf – noch – wolfsfreie Almen aus.

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