Barbier im Weitzer

Grazer liefern sich freiwillig ans Messer - bloß nicht zucken!

Steiermark
31.01.2011 16:45
Der Bartschneider von Graz Hayrettin Patlak ist neu in der Stadt. Erst vor zwei Monaten hat der Türke den Bosporus hinter sich gelassen und ist in die Murmetropole gekommen, um hier als Barbier zu arbeiten. Das hat sich bereits herumgesprochen, und so liefern sich immer mehr Grazer ans Messer.

"Ich habe mich vor ein paar Jahren in Istanbul zum ersten Mal von einem Barbier rasieren lassen", erzählt Florian Weitzer. "So etwas fehlt in Graz, habe ich mir damals gedacht…" Gesagt, getan. Doch bis der Bartschneider in Graz ankam, musste viel Wasser die Mur hinunterlaufen: Erst scheiterte Weitzer an seinen Ansprüchen, dann an der österreichischen Bürokratie.

Zuerst war kein brauchbarer Barbier aufzutreiben. Und als man dann im Sommer vergangenen Jahres den richtigen Mann gefunden hatte (Patlak wurde eingeflogen und musste vor Ort sein Können unter Beweis stellen), war das Kontingent an Schlüsselarbeitskräften  bereits aufgebraucht. So musste der Türke erst einmal bleiben, wo er war. Und Weitzer blieb nichts übrig, als abzuwarten und türkischen Kaffee zu trinken.

"Das Gefühl kann nicht beschreiben"
Jetzt ist er endlich da, wetzt Messer, pinselt Rasierschaum, zieht Klingen. Hayrettin Patlak ist ein Meister seines Fachs. "Das Gefühl kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben", fehlen Weitzer die Worte. Wie auch Patlak, der sich in der Landeshauptstadt schon gut eingelebt hat, aber noch nicht viel mehr als "Bitte" und "Danke" über die Lippen bringt.

Bereits im zarten Alter von acht Jahren hatte er begonnen, die Kunst des Rasierens zu erlernen. Vier Jahrzehnte führte er einen Laden in einem Nobelviertel auf der asiatischen Seite Istanbuls. Seit er in der Murstadt Bärte stutzt, hat sein Sohn das Geschäft übernommen.

Eine Rasur nach alter Barbierskunst inklusive Gesichtsmassage und Gesichtspflege kostet im Wiesler Depot 14 Euro. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 9 bis 19 Uhr und auf Anfrage. Sonn- und feiertags geschlossen. Reservierung unter der Telefonnummer 0316/7066-0.

Einst und heute

  • Der erste urkundlich erwähnte Barbier in Graz (anno 1381) hatte seinen Laden auf dem Hauptplatz, im Eckhaus Sackstraße/Murgasse.
  • Barbiere durften trockenen Haar- und Bartpflege betreiben. Außerdem war ihnen gestattet, eine kleine Wundarznei zu betreiben. In Jost Ammans "Das Ständebuch" aus 1586 steht über den Barbier: "Ich bin berühmt allenthalben, kann ich doch machen viele Salben, um zu heilen mit Gottes Gnaden Syphilis, frische Wunden, Beinbrüche, alten Schaden. Ebenso kann ich den Star stechen, Wundbrand stillen, Zähne ausbrechen; außerdem barbieren, waschen und scher'n, auch den Aderlass mach' ich gern!"
  • Bis ins 17. Jahrhundert - genau bis 1617 - bildeten die Barbiere und Scherer (tonsores) mit den Badern (balneatores) ein Gewerbe.

von Ernst Grabenwarter, "Steirerkrone"

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