06.06.2021 10:10 |

„Krone“ fragt nach

Spritztouren: Wer zahlt mir mein kaputtes Auto?

Eine Spritztour mit dem Auto der Eltern oder mit einem gestohlenen Pkw, die in einem Unfall endet: Derartige Delikte unter Tiroler Jugendlichen gab es in jüngster Vergangenheit gleich mehrere. Die „Tiroler Krone“ ging daher der Frage nach, welche Konsequenzen den Jugendlichen bzw. deren Eltern drohen und wie die Besitzer des Autos überhaupt entschädigt werden.

Erst vor kurzem machten zwei 15-jährige Burschen mit einer gleichaltrigen Bekannten in Matrei in Osttirol eine Spritztour, die im Straßengraben endete. In einer Tiefgarage hatte das Trio das Auto samt Schlüssel auf dem Beifahrersitz entdeckt. Ähnliches passierte im selben Ort bereits im Mai. Gegen 4 Uhr waren ein 17-Jähriger und eine 16-Jährige in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingebrochen und stahlen einen Zündschlüssel. Auch diese Fahrt endete in einem Unfall.

In beiden Fällen wurde zum Glück niemand verletzt. Ebenfalls ohne Verletzte endete die Fahrt eines alkoholisierten 15-Jährigen im April in Ischgl. Der Bursche, der von der Unfallstelle türmte, wurde später in einem Wald unter Ästen versteckt aufgefunden. Mit Verletzten hingegen ging die Ausfahrt eines 16-Jährigen am 20. Februar zu Ende. Der L17-Fahrschüler hatte zusammen mit einem weiteren Jugendlichen das Auto seines Vaters geschnappt und setzte es in Baumkirchen gegen den Pkw eines 42-Jährigen.

Jugendlichen droht bis zu einem Jahr Gefängnis
Laut Hans-Peter Seewald vom Landeskriminalamt handelt es sich bei derartigen Delikten nicht um einen Trend, sondern „um einige Einzelfälle im Jahr“. Den Grund sieht der Experte in „Neugier, Übermut oder Langeweile“ der Jugendlichen. Mit den Initiativen „Bleib sauber Jugend“ oder „All Right – alles was Recht ist“ würden die jungen Tiroler über mögliche Konsequenzen auch informiert.

Wie Hansjörg Mayr, Pressesprecher bei der Innsbrucker Staatsanwaltschaft mitteilt, drohen generell bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldstrafe, wenn „der Täter das Auto nicht behalten und dem Eigentümer dauerhaft wegnehmen möchte, sondern es nur vorübergehend benützen will“. Hat der Täter das Auto aber aufgebrochen oder ist er unrechtmäßig zum Autoschlüssel gelangt, dann drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis.“ Dieselbe Strafe droht, wenn das Auto im Zuge der unbefugten Benutzung schwer beschädigt wurde.

Strafbarkeit kann auch entfallen
Bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren reduziert sich das Strafmaß auf die Hälfte. Interessant dabei: „Die Strafbarkeit entfällt, wenn das Auto der Eltern ungefragt benützt wird und der Täter noch zu Hause wohnt – bei engen Angehörigen, die im gleichen Haushalt leben, sieht der Gesetzgeber hier offenbar keine Notwendigkeit staatlicher Sanktionen.“

Wenn bei der Spritztour andere Personen gefährdet oder verletzt werden, kommen freilich weitere Delikte hinzu, sagt Mayr. Wenn der Täter keinen Führerschein hat oder alkoholisiert gefahren ist, „wäre dieser Umstand unabhängig von der strafrechtlichen Sanktion durch die Verwaltungsbehörde zu ahnden“. „Durchatmen“ dürfen die Eltern: Diese können „nicht für eine Straftat, die ihr Kind begangen hat, zur Verantwortung gezogen werden“.

Sich im Vorfeld mit der Versicherung beraten
Wie kommt nun aber der Autobesitzer rasch zu einem intakten Fahrzeug? Das weiß Experte Michael Fettner von der Tiroler Versicherung: „Bei einer Vollkaskoversicherung ist man gegen Diebstahl und die unbefugte Inbetriebnahme geschützt. Bei einer Teilkaskoversicherung muss man das im Vorfeld mit dem Versicherungsanbieter ausmachen.“

Bei der Tiroler Versicherung bekomme man im Zuge der Assistenceleistung über eine der Partnerwerkstätten einen Ersatzwagen gestellt – bis die Reparaturen erledigt seien. Wenn das gestohlene Auto jedoch nicht mehr auftauchen sollte, dann „schätzt ein Experte den Wert des Fahrzeugs, der ersetzt wird“, so Fettner.

Ist man gegen Diebstahl bzw. unbefugte Inbetriebnahme nicht versichert, dann wird es bei eingangs erwähnten Beispielen schwierig, wie Andreas Stutter, der Vizepräsident des Tiroler Landesgerichts, sagt: „Jugendliche haben meistens nur wenig Geld. Bis diese den entstandenen Schaden vollständig abbezahlen können, dauert es unter Umständen viele Jahre.“

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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