Dialogwoche Alkohol

„Eine Krankheit, keine Charakterschwäche“

Tirol
18.05.2021 12:00

Um die 30.000 Tiroler sind alkoholsüchtig. Zum dritten Mal startete am Montag die Österreichische Dialogwoche Alkohol. Bei Online-Veranstaltungen informieren Fachleute und Einrichtungen kostenlos über unterschiedliche Aspekte dieses Problems.

„Alkoholismus entsteht im Alltag, unmerklich und leise“, sagt Gerhard Gollner, Leiter der kontakt+co Suchtprävention des Jugendrotkreuzes. Etwa 30.000 Menschen in Tirol haben ein Alkoholproblem. Die Zahl Nichtabhängiger, die aber in einem gesundheitlich riskanten Maß konsumieren, ist deutlich höher. „Für einen gesunden erwachsenen Mann ist ein Bier pro Tag unbedenklich, für Frauen etwa die Hälfte“, erläutert Gollner. An mindestens zwei Tagen in der Woche sollte man komplett auf Alkohol verzichten.

Langsames Abrutschen
Während der Pandemie dürfte sich der Alkoholkonsum in der Bevölkerung mangels Ausgehmöglichkeiten reduziert haben. „Jene allerdings, die vorher schon alleine daheim getrunken haben und jetzt vielleicht noch mehr alleine und zuhause sind, bei denen mag sich Corona als ein zusätzlicher Verstärker erwiesen haben“, vermutet der Leiter der Suchtprävention.

(Bild: ©petrrgoskov - stock.adobe.com)

Zur besseren Erträglichkeit von Krisenzeiten biete sich Alkohol an. Er sei die „nahezu perfekte Droge“, meint Gollner: „Er schmeckt fast jedem, ist nicht teuer, fast immer zur Hand. Je nachdem wie er eingesetzt wird, kann er sehr gut unsere Stimmung gestalten.“ Wenn es uns nicht gut geht, sei Alkoholkonsum daher naheliegend, das Abgleiten in den Missbrauch passiere schleichend. Was Gollner besonders betont: „Alkoholismus ist keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit.“

Problem wird „vererbt“
Besonders gefährdet sind Menschen, die in einem alkoholbelasteten Haushalt aufgewachsen sind. „Man weiß, dass Kinder aus solchen Familien ein deutlich höheres Risiko haben, selbst ein Alkoholproblem zu entwickeln oder einen Partner zu haben, der eines hat“, erklärt Gollner. Daher kümmere man sich bei der Betreuung Betroffener möglichst auch um deren Kinder. Auch sonst sind die regionalen Angebote sehr vielfältig.

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Nur ein relativ kleiner Teil derer, die ein Problem haben oder so jemandem nahestehen, suchen schnell Kontakt zur Alkoholberatung. Stattdessen tragen sie es noch viel zu lange mit sich herum.

Gerhard Gollner, Leiter der kontakt+co Suchtprävention des Jugendrotkreuzes

Hilfsangebote nutzen
Dass es in Tirol und österreichweit zahlreiche Einrichtungen gibt (siehe Infokasten), in denen Alkoholkranke und deren Angehörige Rat finden, soll die Österreichische Dialogwoche Alkohol aufzeigen. Vom 17. bis zum 23. Mai finden unter der Botschaft „Wie viel ist zu viel?“ diverse Online-Veranstaltungen wie Workshops, Treffen der Anonymen Alkoholiker und Vorträge statt. Zudem gibt es auf der Website Videos und Informationen zum Thema. Gerhard Gollner ist überzeugt: „Es ist für so ziemlich jeden Aspekt etwas dabei.“

Nähere Informationen zur Dialogwoche Alkohol und alle Veranstaltungen finden Sie unter www.dialogwoche-alkohol.at

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