09.05.2021 07:30 |

Nach Jagd-Affäre

So verteidigt sich der Prinz im „Krone“-Interview

Die „Causa Arthur“ lässt noch immer viele Fragen offen. Emanuel von und zu Liechtenstein hat der „Krone“ einige schriftlich beantwortet. Lesen Sie hier die gekürzte Fassung. Allerdings: Seine Behauptung, er habe nicht den mächtigen „Arthur“ erlegt, ist damit wohl nicht ausgeräumt. Der Krimi geht also noch weiter...

Warum haben Sie so lange zu dem Abschuss des Bären, der Ihnen ja vorgeworfen wird, geschwiegen?
Ein unvorstellbarer Tsunami an Drohungen und Beschimpfungen ist über mich und meine Familie hereingebrochen. Zuerst musste ich mich daher um Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung kümmern.

Mit welcher Intention sind Sie nach Rumänien gefahren?
Die Gelegenheit zur Jagd ergab sich aus der behördlichen Freigabe des Abschusses, denn dieser Bär ist häufig in Siedlungen eingedrungen und deshalb von den zuständigen Behörden als gefährlich eingestuft worden.

Ihnen wird vorgeworfen, aber den großen Braunbären „Arthur“ erlegt zu haben. War Ihnen das bewusst oder haben Sie sich dabei schlicht auf die Angaben des örtlichen Jagdleiters verlassen?
Ich habe nicht den in einigen Medien abgebildeten Bär „Arthur“ erlegt, sondern einen Bären, der von den zuständigen Behörden zum Abschuss freigegeben worden war. Das ist auch dokumentiert.

Es war Auskünften vom rumänischen Ministerium zufolge von einer Problembärin die Rede, was angeblich eindeutig in der Dokumentation geregelt ist. Im Jagdreport wird ein männliches, 17 Jahre altes Tier beschrieben. Haben Sie nun einen Bären oder ein weibliches Tier erlegt?
Ich habe natürlich genau den Bären erlegt, den der autorisierte Jagdführer (auch Game Keeper genannt) als das Problemtier identifiziert hat.

Es ergaben sich knapp 600 der überhaupt erreichbaren Trophäenpunkte für den erlegten Bären, wie aus dem Jagdreport ersichtlich ist. Wie lässt sich diese hohe Punktezahl für eine „normale“ Bärin erklären? In Fachkreisen konnte uns das niemand beantworten.
Woher die Zahl kommt, und wer sie wie ausgerechnet hat, ist mir nicht bekannt. Eine Trophäenbewertung spielt bei der Jagd auf Problemtiere auch keine Rolle und hat für mich auch keine Bedeutung.

Was wurde für den Abschuss bezahlt?
Die Gebühr betrug rund 7000 Euro und trägt auch zur Bewältigung der Kosten der Koexistenz der großen Bärenpopulation mit den Menschen vor Ort bei. In Rumänien leben rund 8000 Bären, vor zehn Jahren waren es 5000. 2019 gab es 50 Angriffe auf Menschen und 8 Tote.

Warum war es für Sie wichtig, einen Bären zu erlegen?
Die Jagd auf dieses wehrhafte Wild ist eine Herausforderung.

Sind Sie unter Einhaltung der Corona-Bestimmungen samt Quarantäne ins Land gereist?
Selbstverständlich. Ich war übrigens schon längst vor der Reise voll immunisiert. Sonst wäre ich zu Hause geblieben.

Wo ist die Trophäe?
Es gibt einen strikt regulierten Prozess im Umgang mit den erlegten Tieren, den die Behörden abwickeln. Wo derzeit das Fell ist, weiß ich gar nicht. (Laut rumänischer TV-Station ist das Fell bei einem örtlichen Präparator, der angibt, noch nie so ein großes Tier gesehen zu haben; Anm. der Redaktion)

Die Berichterstattung war international, es kam eine Welle an Reaktionen. Hätten Sie damit gerechnet?
Nein, damit hatte ich nicht gerechnet. Vor allem die Hetze und die (Mord-) Drohungen gegen mich und meine Familie habe ich nicht geahnt. So etwas hilft weder Tier noch Mensch.

Ziehen Sie Konsequenzen - und wenn ja, welche?
Eine offene und faire Diskussion der so wichtigen Fragen zum Verhältnis zwischen Mensch und Wildtier ist eine ganz wichtige Aufgabe. Die Fakten und vor allem die Kenntnisse und das Verständnis für die Lebenswirklichkeit in den schwer benachteiligten Regionen Europas müssen wieder im Vordergrund stehen. Der Umgang mit Großraubwild ist auch aus der Perspektive der von ihren wenigen Haustieren lebenden Bewohnern von Holzhütten in armen Wäldern zu diskutieren. Wenn dort in der Nacht der Bär an der Tür kratzt, diskutiert man das mit einem anderen Blickwinkel, als wir ihn in unseren Städten haben. Verklärung hilft uns nicht, Lösungen zu finden.

Haben Sie eine Botschaft an unsere Leser?
Es tut mir sehr leid, dass ein Eindruck entstehen konnte, der viele Menschen in ihren Gefühlen verletzt hat. Ich respektiere und verstehe die großen Emotionen. Die gibt es hier für das Tier und im rumänischen Dorf gegen das Tier. Es ist nicht schwarz und weiß. Unser Leben und unsere Koexistenz - auch mit Tieren - ist komplex. Gehen wir es also vorsichtig und bitte immer mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung an, auch wenn wir geteilte Meinungen haben.

Christa Blümel
Christa Blümel
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