24.04.2021 06:00 |

Trotz Corona-Krise

ÖBB-Duo: „Wir sind gut um die Kurve gedriftet ...“

Das ÖBB-Duo schaffte trotz Corona und 40 Prozent weniger Fahrgästen eine positive Bilanz. Die letzten Jahre konnten ÖBB-General Andreas Matthä und sein Finanzchef Arnold Schiefer stets dreistellige Millionengewinne verkünden - durch Corona freilich war diesmal alles anders. Im „Krone“-Interview mit Dr. Georg Wailand schilderte das Manager-Duo, wie es auch im Krisenjahr 2020 die Bahn ins Gewinnziel brachte. ÖBB-Boss Matthä: „Es war wie beim Rallye-Fahren. Wir mussten bremsen und zugleich Gas geben. Aber wir sind gut um die Kurve gedriftet.“

Im Klartext: Auch für 2020 kann die Bundesbahn einen, wenn auch bescheideneren Bilanzgewinn (59 Millionen statt geplanter 179 Millionen Euro) vorweisen.

Zahl der Fahrgäste sackte um bis zu 90% ab
Dabei hatte Corona im Personenverkehr anfangs katastrophal zugeschlagen: Die Zahl der Fahrgäste sackte um bis zu 90 Prozent ab. Im Jahresschnitt geblieben ist ein Minus von 40 Prozent. Matthä: „Worauf wir stolz sind, wir haben jede Tonne transportiert, es ist kein Fahrgast zurückgeblieben, wir haben unsere Versorgungsfunktion aufrechterhalten.“

Freilich, spurlos blieb das nicht. Finanzchef Schiefer: „Unsere Umsätze sind 2020 um mehr als 700 Millionen Euro abgesackt, mit Einsparungen aus eigener Kraft haben wir 350 Millionen Euro geschafft, von der Kurzarbeit haben wir über das AMS 22,1 Millionen bekommen.“ Im Güterverkehr hätten alle Bahnbetreiber Erleichterungen bei der Schienenmaut erhalten.

„Wir haben anders als die AUA keine Subventionen bekommen“
Schiefer weiter: „Wir haben anders als die AUA keine Subventionen bekommen, sondern wir wurden für erbrachte Leistungen bezahlt. Wir dürften rechtlich gar nicht intern einzelne Bereiche stützen und Gelder herumschieben.“ Aber natürlich hat die öffentliche Hand die ÖBB nicht hängen gelassen: Sie steuerte über 3,5 Milliarden Euro bei, davon gingen gut zwei Milliarden in die Infrastruktur.

„Österreich hat fünftgrößte Bahnindustrie“
Soll heißen: in den Ausbau der Strecken, der Bahnhöfe, der Kraftwerke, der Anschaffung neuer Waggons, der Nachtzüge etc. Was laut Matthä wenige wissen: "Österreich hat weltweit die fünftgrößte Bahnindustrie mit tollen Weltmarktführern und Nischen-Anbietern. Die exportieren auch sehr viel.“

Während im Schienenverkehr die Frequenz eingebremst wurde, hat man im Infrastrukturausbau Vollgas gegeben. Matthä: „Das kommt zu 90 Prozent der heimischen Wirtschaft zugute, neue Studien haben hier eine enorme Bruttowertschöpfung festgestellt.“

„Wir haben niemand im Corona-Jahr gekündigt“
Ebenso beachtlich ist ein anderes Faktum bezüglich der Jobs bei den ÖBB. Matthä: „Wir haben niemand im Corona-Jahr gekündigt, ganz im Gegenteil: Wegen des Generationenwechsels haben wir 2020 sogar 2500 Leute neu aufgenommen - und heuer werden es vermutlich sogar 3000 sein!“

Sowohl im Personenverkehr als auch im Gütertransport habe man eine schwarze Null geschafft. Die Konkurrenz im Güterverkehr sei enorm: „Da fahren viele zu Diskontpreisen, nur damit sie die Leasing- und Kreditraten für die Lkw zahlen können.“

„Es hat keine Lex ÖBB gegeben“
Das knapp positive Ergebnis der ÖBB sei auch darauf zurückzuführen, dass die Österreicher schneller als andere Bahnverwaltungen die mit der EU ausverhandelten Hilfen angesprochen haben. Schiefer: „Es hat keine Lex ÖBB gegeben.“ Matthä optimistisch: „Wir sind schneller als andere aus der Kurve gekommen. “

Für das heurige Jahr stehen die Signale günstiger für den Verkehrsriesen. Matthä: „Spätestens im Herbst sollten wir endgültig über den Berg sein. In Österreich rechnen wir schon im September, wenn der normale Schulbetrieb wieder losgeht, mit deutlich mehr Passagieren, international wird das wegen der bestehenden Reisebeschränkungen leider etwas länger dauern.“

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