Im Kloster gefoltert

„Herrgott, lass mich bitte noch nicht sterben“

„Ich hab‘ immer nur gedacht ,Herrgott, bitte lass mich nicht sterben‘.“ Unter Tränen schildert Elfriede S. (72) aus Wels, wie sie als 14-Jährige 1962 in die Hände einer sadistischen Klosterschwester fiel, die sie schlug und folterte. Das zweijährige Martyrium hinterließ Narben auf der Haut und auf der Seele.

„In der Nacht kann ich nicht schlafen. Ich seh’ ständig das Gesicht von Schwester Richardis vor mir. Sie hätte mich als Kindergartenhelferin ausbilden sollen. Aber sie war wohl eifersüchtig auf mich, weil mich die Kinder lieber gemocht haben als sie. Darum hat sie mich ständig geschlagen.“

„Bis ich bewusstlos geworden bin“
Wenn Elfriede S. von ihrer Zeit im früheren Franziskanerinnen-Kloster Frankenburg erzählt, kriegt man als Zuhörer Gänsehaut: „Ich musste auf einem Kantholz ,Scheitlknien‘, bis ich bewusstlos geworden bin. Meine Knie waren ständig eitrig und entzündet. Einmal hat sie mich die Treppe hinuntergestoßen. Schauen Sie meine Arme an: Man sieht immer noch, wo sie mir das heiße Bügeleisen hinaufgedrückt hat.“

27 Kilometer nach Hause gelaufen
Erst nach zwei Jahren gelang der damals 16-Jährigen die Flucht. Sie lief am Dreikönigstag 27 Kilometer nach Hause. Erst dann lösten die Eltern den Vertrag mit dem Orden. Zuvor hatte sich der Vater nicht getraut. Damals war die Macht der Katholischen Kirche noch ungleich größer als heute.

Der Orden bedauert
„Wir bedauern zutiefst, was Frau S. als Helferin in einer unserer Einrichtungen durchleiden musste“, sagt Sr. Angelika Garstenauer, Generaloberin der Franziskanerinnen von Vöcklabruck auf „Krone“-Anfrage. Und weiter: „Dass Frau S. nach dem Heimopfergesetz laut OGH-Entscheidung keine Entschädigung zusteht, macht uns betroffen. Das Leid, das ihr widerfahren ist, ist leider auch nicht wiedergutzumachen.“

Christoph Gantner
Christoph Gantner
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Freitag, 16. April 2021
Wetter Symbol