24.02.2021 07:00 |

U-Bahn wäre schneller

Duell Metro-Auto in Graz mit einem klaren Sieger

Die „Krone“ trat in Graz zum fiktiven Rennen gegen Metro-Linie M1 an. Pkw war von Eggenberg bis Berliner Ring um 12 Minuten langsamer. Zeitersparnis soll den Umstieg auf die U-Bahn schmackhaft machen.

Für die einen ist es die verkehrspolitische Jahrhundertlösung, für die anderen eine wahrlich unterirdische Idee: Über kein anderes Thema wird unterm Uhrturm so heiß diskutiert wie über die Grazer U-Bahn-Pläne. Eines der Hauptargumente der Befürworter ist ja, dass sich die Autowege um 12 Prozent reduzieren würden - stolze 120 Millionen Pkw-Kilometer sollen so jährlich eingespart werden.

Autofetischisten soll der Umstieg vor allem durch die Zeitersparnis schmackhaft gemacht werden. Die M1 soll etwa die Strecke von Eggenberg zum Berliner Ring in 20 Minuten schaffen - und dazwischen noch elf Stationen mitnehmen. Für einen mitunter amtsbekannten Möchtegern-Rennpiloten und ungekrönten Play-Station-Weltmeister natürlich eine willkommene Herausforderung.

Euphorischer Start
Also, Treffpunkt mit dem „Krone“-Fotokünstler um 8 Uhr vor dem UKH in Eggenberg. Mit exakt 9,6 Kilometer berechnet das Navi die Entfernung zum Zielort an der (Bus-) Haltestelle Berlinerring - das sollte in 20 Minuten doch zu schaffen sein. Dementsprechend optimistisch geht’s auch los. Die erste „Schlüsselstelle“ wird mit einer grünen Ampel bei der Kreuzung zur Alten Poststraße auch souverän gemeistert. Bei Rot vor der Wiener Straße der erste „Zeit-Check“ - 3,20 Minuten. Die Metro wäre bei dieser Zwischenzeit gerade irgendwo zwischen FH Joanneum und Hauptbahnhof unterwegs. Also alles noch im Rahmen.

Mit bis zu 80 km/h soll es ab 2030 unter der Erde voran gehen. Nahezu verführerisch juckt es bei diesem Gedanken im „Gas-Fuß“ - als Grazer weiß man aber nur zu gut, dass gerade der Grabentunnel ein begehrtes Fotomotiv bei Exekutiv-Beamten ist. In der Grabenstraße wird es nun „überirdisch“ merklich voller. Bei Fahrminuten elf biegen wir ins Glacis ein. Die U-Bahn wäre jetzt schon kurz vor der Universität.

Der Anfang vom Ende
Jetzt heißt es also aufholen - doch dieses Vorhaben müssen wir ziemlich rasch ad acta legen. Erste Vorboten des allmorgendlichen Verkehrskollapses in der Elisabethstraße reichen bis zum Glacis zurück. Auf der Abbiegespur warten wir gestoppte fünf Minuten. Langsam dämmert es im Oberstübchen, dass dieses „Rennen“ nicht mehr zu gewinnen ist. Trotz mehr oder weniger leichtem Lockdown steht man in der Straße, die nach der „Herzens-Kaiserin“ benannt worden ist, Stoßstange an Stoßstange.

Zwölf Minuten Verspätung
„Fraaanz“, kommt’s einem da fast aus, weil man genug Zeit hat, die Sisi-Filme gedanklich Revue passieren zu lassen. Der zum entnervten Co-Piloten mutierte Fotograf nutzt die Stehzeit sinnvoller und macht Fotos. Während die Metro nach 20 Minuten am Berliner Ring ankommen wird, stehen wir vor der Digital-Mittelschule im Stau. Nach der LKH-Kreuzung geht es endlich flüssiger dahin. Doch die Stimmung im Auto ist natürlich im Keller. Erst nach 32 Minuten fahren wir an der Haltestelle am Berliner Ring ein. „Wir hätten die Heinrichstraße nehmen sollen“, kommt es von rechts. Im Nachhinein ist man eben immer gescheiter - vielleicht ja auch bei der Grazer U-Bahn.

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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