11.02.2021 06:00 |

Tipps für die Kälte

Die Steirer müssen sich jetzt warm anziehen

Jetzt ist sie da, die Kälte: Eisiger Wind weht heute im gesamten Land, in Mariazell sind bis zu gefühlten minus 25 Grad möglich. Und auch die gesamte nächste Woche bleibt kalt. Was bedeutet die Kältewelle für Sportler, Autofahrer, Skigebiete und Asfinag? Die „Krone“ hat nachgefragt.

Man nehme eine Tageshöchsttemperatur von minus 10 Grad Celsius, mixe sie mit kräftigen Windspitzen von 70 km/h und erhält als Resultat eine gefühlte Temperatur von minus 25 Grad. Klingt sibirisch, ist aber obersteirisch. Im Mariazellerland wird heute der „Windchill“-Effekt für einen höchst unangenehmen Frost-Tag sorgen.

Zweistelliger Minusbereich
Doch auch in Graz und in der Südsteiermark weht der Wind mit bis zu 60 km/h, so ZAMG-Meteorologe Friedrich Wölfelmaier. Die gefühlte Temperatur rutscht damit auch hier in den zweistelligen Minusbereich.

Die Kältewelle hat das Land also erreicht. Auf den Bergen sind in 2000 Metern Höhe minus 20 Grad vorhergesagt, auch in schneebedeckten obersteirischen Tälern ist das in den nächsten Tagen nicht ausgeschlossen. Nachdem sich der Wind am morgigen Freitag beruhigt, sorgt er am Samstag für ein stürmisches Dacapo.

Im Süden sind am Sonntag zarte Plusgrade möglich, in der Obersteiermark wird es erst Mitte der nächsten Woche der Fall sein. Insgesamt dürfte die gesamte Woche äußerst kühl bleiben.

Was bedeutet die Kältewelle für Sportler, Autofahrer, Skigebiete und Asfinag? Die „Krone“ hat nachgefragt.

Im Kampf gegen Glatteis-Gefahr
Zuerst Schnee, dann Kälte: Auf die Teams der Autobahnmeistereien wartet nun viel Arbeit. „Jetzt kommt die ,russische Peitsche‘“, sagt Markus Bratschko mit gespanntem Blick auf die nächste Zeit. Seine 20 Mitarbeiter in der Autobahnmeisterei Unterwald - zuständig für den Abschnitt von Mooskirchen bis zum Packsattel - haben viel Erfahrung, „eine längere Periode mit so tiefen Temperaturen ist aber selten.“

Nach zuerst relativ mildem Wetter und dann tagelangen Niederschlägen wird es nun extrem kalt, das erhöht die Glatteisgefahr. „Es muss genug Salz auf die Straße, damit sie nicht zur Eislaufbahn wird. Es soll aber auch nicht zu viel Salz sein.“ Ein Balanceakt also. Etwa 1100 Tonnen hat man heuer schon verbraucht, ein Durchschnittswinter liegt bei 1300 bis 1400 Tonnen.

Der Dauerfrost dürfte im Frühjahr deutlich mehr Risse als üblich in die Fahrbahn bringen, die dann im Sommer beseitigt werden müssen. „Das wird kostenintensiv", denkt Bratschko schon an die heiße Zeit.

Eisige Arbeitstage auf den Skipisten
Stundenlang ist Norbert Bliem im Freien unterwegs - so hält er sich dabei warm: „Wir sind eigentlich den ganzen Tag über im Freien unterwegs, egal ob zu Fuß oder mit den Skidoos." Norbert Bliem ist im Skigebiet auf der Tauplitz Pistenchef und Schneimeister - ein kuscheliger Arbeitsplatz im Büro ist da nicht drinnen, auch nicht bei der nun prognostizierten arktischen Kälte.

„Wir müssen uns gut anziehen, haben eigene Overalls, die auch bei minus 20 Grad noch recht angenehm sind“, erzählt Bliem. Wichtig sei es auch, sich zwischendurch immer wieder aufzuwärmen - „und am Abend dann natürlich heiß zu duschen.“

Skifahrer sollten sich in den nächsten Tagen ebenfalls warm anziehen, „Maske muss man sowieso tragen“, so Bliem. Beim eisigen Fahrtwind drohen ja die Nasenflügel „anzupicken". Und auch die Finger werden trotz Handschuhe irgendwann klamm - da ist es bitter, dass die Skihütten zum Aufwärmen mit Tee nicht zur Verfügung stehen.

Wie das Auto die Kälte übersteht
“Unsere Pannendienste werden für das kommende Wochenende noch extra aufgestockt“, so Peter Pegrin vom Arbö. Denn er weiß, dass die Minusgrade wieder für viele Einsätze sorgen werden.

Damit es vielleicht aber gar nicht so weit kommt, rät der Experte noch schnell zu einem Batteriecheck. „Nur leistungsstarke Batterien können auch extremen Temperaturen trotzen.“ Ebenso wichtig: „Scheibenfrostschutz nachfüllen!“ Dabei aber unbedingt auf das richtige Mischverhältnis achten.

Die Kühlflüssigkeit im Motor kann bei fehlendem Kühlmittel einfrieren. „Die Kontrolle der Kühlflüssigkeit darf aber nur ein Techniker durchführen.“ Und damit Diesel nicht einfriert („im Tank ist immer eine Restfeuchtigkeit“) bzw. der Kraftstoff ausflockt und dadurch seine Fließfähigkeit verliert, rät Pegrin, Dieselfrostschutz zuzuführen. „Das sollte man ohnehin zweimal pro Jahr machen.“

Die Trainingszeit lieber verkürzen
Wer richtig ausgerüstet ist und zu keiner Risikogruppe gehört, darf Sport betreiben: „Ein junger gesunder Mensch, der gut trainiert ist, dem machen Minusgrade nichts aus. Aber Menschen, die an Lungen- und Herzerkrankungen leiden, sollten sehr vorsichtig sein und Sport im Freien vermeiden“, betont Jana Windhaber von der Uni-Klinik Graz.

„Die Ausrüstung, vor allem die Unterwäsche, ist gerade bei solchen Temperaturen entscheidend“, sagt die Sportmedizinerin. Gut sei, sich auch etwas über den Mund zu ziehen, „weil das die Luft anwärmt“. Außerdem empfiehlt die Ärztin, die Trainingszeit lieber zu verkürzen. „Statt einer Stunde im Freien zu sporteln, lieber zweimal 30 Minuten.“

Und: „Wenn es extrem kalt ist, sollte man das Gehen und Laufen dem Radfahren vorziehen, weil der Fahrtwind die Luft noch einmal abkühlt.“ Wenn die Ausrüstung passt und man zu keiner Risikogruppe gehört, steht dem Sport also trotz zweistelliger Minusgrade nichts im Weg.

Eva Stockner
Eva Stockner
Jakob Traby
Jakob Traby
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