15.02.2021 19:00 |

In Krisenzeiten

Der beste Freund hilft - auch wenn er nicht da ist

Die Innsbrucker Forscherin Carmen Morawetz konnte gemeinsam mit Kollegen aus Berlin und Melbourne aufzeigen, wie soziale Verbundenheit auch auf Distanz in Krisensituationen wirkt. Schon der Gedanke an den besten Freund, an die beste Freundin wirkt unterstützend. Die Forscher konnten auch nachweisen, warum der Effekt bei anonymen Helfern weniger stark ausgeprägt ist. 

Ein Freund, ein guter Freund, ... Es gibt nichts Besseres auf dieser Welt, lautet die Botschaft eines Lied-Klassikers aus dem Jahr 1930. Jeder weiß das intuitiv. Doch die Wissenschaft kann es mittlerweile auch messen. Professorin Carmen Morawetz vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck hat das mit Kollegen aus Berlin und Melbourne getan. Es ging den Wissenschaftern darum, aufzuzeigen, wie wertvoll Freundschaft in Krisenzeiten ist. Eine Studie, die aktueller nicht sein könnte.

Schon das Bild eines Freundes weckt Zuversicht
Durch den Einsatz der funktionellen Magnetresonanztomografie – einem bildgebenden Verfahren – konnte gezeigt werden, dass bestimmte Hirnregionen bei sozialer Unterstützung durch eine andere Person mehr rekrutiert werden als beim Versuch, negative Gefühle alleine in den Griff zu bekommen. Heißt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das eigentlich Spannende an der Studie war aber laut Morawetz, „dass sich diese soziale Unterstützung auf das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen selbst dann auswirkt, wenn sie nur virtuell erfolgt und die unterstützend wirkende Person nicht selbst im Raum anwesend ist“. Den Versuchspersonen wurden dafür in einer Negativ-Stimmung Bilder von ihren Freunden vorgelegt. Und siehe da: alles war gleich nicht mehr ganz so schlimm wie zuvor.

Amygdala erkennt Freunde und Fremde
Freunde aktivieren unsere Widerstandskraft - das ist die zentrale Botschaft der Studie. Morawetz und ihre Kollegen haben aber noch einen weiteren spannenden Effekt aufgezeigt. Dieser betrifft eine wichtige Hirnregion - genannt Amygdala -, die an der Entstehung von Emotionen wie Angst beteiligt ist. Den Probanden wurde nicht nur „virtuelle“ Hilfestellung von Freunden, sondern auch von Fremden angeboten. Auch diese Unterstützung wirkt, aber nicht gleich gut. Messbar ist das an der unterschiedlichen Aktivierung der Amygdala. „Es macht für unser Gehirn einen Unterschied, ob wir Hilfe von uns nahestehenden Menschen, oder einer uns unbekannten Person erhalten“, erklärt Morawetz. Es gilt also: Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt!

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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