Niedrige Zuschüsse

Zu wenig Geld für psychisch kranke Kinder in Tirol

Tirol
23.11.2010 16:35
"In Tirol leiden schätzungsweise 3.000 Kinder unter psychischen Erkrankungen. Doch nur für 75 von ihnen übernehmen die Krankenkassen die vollen Behandlungskosten. Viele Eltern müssen deshalb vorzeitig die Therapie abbrechen", schlägt Karl-Ernst Heidegger, Chef des Landesverbandes für Psychotherapie, Alarm.

Die Liste der Erkrankungen ist lang und sollte die Gesellschaft aufrütteln: Depression, Angst, psychosomatische Erkrankungen wie Bettnässen, Schlaf- und Essstörungen, Panikattacken oder Suchtverhalten (Drogen, Alkohol) plagen die Kinder.

"Viele Eltern können sich die Behandlung einfach nicht mehr leisten und brechen die Therapie vorzeitig ab. Die Krankenkassen zahlen heute so wie vor genau 20 Jahren - nur 21,80 Euro pro Behandlung. Wird nicht gezielt therapiert, sind die Folgekosten viel höher. Derzeit wird für 75 Kinder in Tirol die ganze Behandlung bezahlt, davon sind 25 unter 14 Jahren", sagt Heidegger.

Seine Kollegin Klaudia Wolf-Erharter sieht die psychisch kranken Kinder "als die Schwächsten unseres Gesellschaftssystems. Es muss ihnen rasch geholfen werden". Die Krankenkassen sollten sofort die Zuschüsse für die Therapien auf 50 Prozent der Kosten erhöhen.

"Die Tiroler Gebietskrankenkasse schiebt die Verantwortung auf den Hauptverband in Wien, Wien spielt den Ball an Tirol zurück. Derweil steigt der Bedarf von Psychopharmaka für Kinder in einem Jahr um 20 Prozent", belegt Wolf-Erharter mit Zahlen und weiß: "Bei Kindern bis 19 Jahren ist der Selbstmord Todesursache Nummer 2. Traurig für Österreich."

von Günther Krauthackl, Tiroler Krone

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