„Wohn-Experte“ verrät:

„Corona treibt die Bürger aufs Land“

Die Corona-Pandemie hat die „Stadtflucht“ vorangetrieben: Zur Zeit suchen Familien vor allem Wohnraum auf dem Lande.

Manfred Damberger ist Landesgruppen-Obmann der gemeinnützigen Wohnbauträger Niederösterreichs. Im „Krone„-Interview erklärt der Wohnbauspezialist, warum sich das gefährliche Virus sich positiv auf den ländlichen Raum auswirkt – und warum das seiner Meinung nach auch nach der Pandemie weiter so bleiben wird.

Herr Damberger, das vergangene Jahr war eindeutig außergewöhnlich. Wie geht’s der gemeinnützigen Wohnbaubranche in der Pandemie?

In Niederösterreich konnten wir auch im Covid-19-Jahr 2020 das Volumen annähernd halten und rund 4000 Wohneinheiten bauen. Die Nachfrage im ländlichen Raum hat mit dem Auftauchen des Coronavirus sogar extrem zugenommen.

Das Virus bewegt die Menschen als derzeit zu einer Flucht aufs Land?

Das nur auf die Pandemie zu schieben, wäre zu einfach. Land und Gemeinden haben dafür viel getan, Maßnahmen der öffentlichen Hand zeigen allmählich Wirkung. Denken Sie etwa an die Breitbandoffensive. Corona ist es aber zu verdanken, dass Wohnen wieder einen höheren Stellenwert hat. Diejenigen, die vorher überlegt hatten, aufs Land zu ziehen, haben es jetzt getan oder sind dabei es zu tun.

Das Ende der Pandemie wird sich also negativ auf den ländlichen Raum auswirken?

Nein. Corona ist jetzt der Grund, warum Menschen sicherheitshalber aufs Land ziehen. Künftig werden andere Sicherheitsthemen die Leute dazu weiterhin motivieren.

Welche wären das?

Vom Dämmerungseinbruch bis zum Schwerverbrechen – da ist es sicher kein Nachteil, am Land zu leben. Oder denken Sie an die sehr gut funktionierende medizinische Primärversorgung: Heutzutage ist egal, ob man am Wiener Stephansplatz oder im abgelegensten Waldviertler Dorf einen Herzinfarkt erleidet – der Notarzt wird gleich schnell oder sogar schneller da sein, als in der Stadt.


Der Job als Hauptgrund für die Wohnortwahl fällt weg?

Das hat sich inzwischen stark verändert: Jahrzehntelang gab es keine adäquaten Arbeitsplätze am Land. Mittlerweile haben wir allerdings die paradoxe Situation, dass Firmen in die Stadt ziehen, weil sie nicht genügend geeignete Arbeitskräfte finden. Und Eltern von Kindern, die dafür nicht in der Stadt aufwachsen müssen, nehmen dafür gerne den weiteren Weg in die Arbeit in Kauf. Natürlich verbunden mit der Hoffnung auf eine weitere Verbesserung des öffentlichen Verkehrs.

Also den ländlichen Raum noch stärker fördern?

Wir versiegeln tagtäglich die Bodenfläche von mehreren Fußballfeldern in Niederösterreich. Da wäre es doch der richtigere Weg, die bestehende, nicht mehr genutzte Infrastruktur vieler kleiner Gemeinden zu sanieren und wieder zu aktivieren. Das wäre, wie Dornröschen aus dem Schlaf wachzuküssen.

Interview: René Denk, Kronen Zeitung

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