02.01.2021 18:00 |

Kultur im Lockdown

Peter Wolf will Weg bedingungslos beibehalten

Den ersten Lockdown hat der Tiroler Schauspieler Peter Wolf vorrangig mit Brotbacken und leichtem Sport, wie zum Beispiel Joggen, verbracht. „Vor allem der Sauerteig hat es mir durchaus angetan“, sagt er lachend zur „Krone“. Beruflich umsatteln will der Profischauspieler, der sein Dasein als Vollzeitmime als Privileg sieht, dennoch nicht.

Auf Brot aus dem Hause Wolf kann man somit nicht hoffen. „Ich war in keinem der Berufe vor 2016 sonderlich gut, also bin ich es wohl auch nicht als Bäcker“, sagt er schmunzelnd. Als seither hauptberuflicher Schauspieler sei er nach einer langen Suche aber endlich „angekommen“. Für ihn sei sein Beruf „Lebenseinstellung und Leben zugleich“. Die Haltung zu seinem Lebensberuf ist auch nicht durch die Kultur-Lockdowns ins Wanken geraten.

Nach dem ersten Schreck Zeit genossen
Dennoch empfand Wolf die Situation im März zuerst als „Schock“. Er habe die kommenden Wochen dann nach einer Zeit des Schockverdauens aber doch noch genießen können. „Ich habe viel Zeit auf der Couch und mit meiner Freundin Julia verbracht“, erzählt Wolf. Wirkliche Existenzängste musste der Vollblutschauspieler 2020 nicht haben.

„Geldverdienen steht für mich eher im Hintergrund“, so Wolf. Wichtiger sei es, mit seinem Beruf „erfüllt und ausgefüllt“ zu sein. Er selbst habe sich diesbezüglich jedenfalls noch nie in einem Leben so wohlgefühlt, betont er. Dieses Gefühl hat sich in der Zeit der Lockdowns für ihn sogar noch intensiviert. Die Spielfreude und den Kontakt zum Publikum vermisse er gerade.

Proben, um in Bereitschaft zu stehen
Zum Glück könne er aber wenigstens proben. Gegenwärtig finden Probenarbeiten zum Stück „Der letzte der feurigen Liebhaber“ von Neil Simon statt. Für Ende Jänner wäre die Premiere in Axams angesetzt. Das werde aber „sehr schwierig“. Dennoch probe man, um das Theater-Liveerlebnis rasch anbieten zu können. Dass dieses künftig womöglich etwas anders sein wird, ist ihm klar.

„Man muss sicher über neue Formen nachdenken“, sagt er. Er selbst sei ein großer Anhänger von Stubentheater und von innovativen Bühnenkonzepten in kleinen Räumen mit wenig Mitteln. „Gut möglich, dass aus dieser Kulturkrise auch weitere künstlerisch spannende Ideen entstehen“, so Wolf.

Tausch mit Couch soll nur temporär sein
Im Augenblick steht für Peter Wolf aber nicht das Nachdenken über die Theaterzukunft auf der Tagesordnung, sondern abermals Couch und Freundin. Dafür schiebt er auch noch nicht ausgereifte Gedanken über etwaiges Regieführen in fernerer Zukunft beiseite.

„Julia ist einfach meine bessere Hälfte und war auch in schweren Zeiten immer für mich da“, schließt er und sieht sehr zufrieden aus, selbst wenn er derzeit die Couch noch nicht temporär gegen die Theaterbühnen des Landes tauschen kann. Klar ist aber: Den eingeschlagenen Weg als Schauspieler wird er nicht mehr verlassen.

Markus Stegmayr, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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