25.12.2020 07:00 |

Steiermark History

So kamen die Krippen in unsere Wohnungen

Premiere im 16. Jahrhundert: Erzherzogin Maria Anna von Bayern war die Erste, die an einem 25. Dezember in Graz „Kripperl schauen“ ging. Das Kolleg der Jesuiten, heutiges Priesterseminar, bot die Sensation.

Es war ein frostiger 25. Dezember des Jahres 1579, als Erzherzogin Maria Anna von Bayern ihre Residenz, die Grazer Burg, verließ und die wenigen Schritte zum heutigen Priesterseminar eilte. Das dortige Kolleg der Jesuiten wartete mit einer „Steiermark-Sensation“ auf, die auch der Hochadeligen zu Ohren gekommen war: In der Hauskapelle war eine Krippe mit Figuren der Heiligen Familie und den Heiligen Drei Königen aufgestellt.

Eine Aufsehen erregende Neuigkeit
Den Menschen dieser Zeit waren vor allem Gemälde und Altarbilder von der Anbetung der Könige in Kirchen bekannt - eine lebhafte, dreidimensionale Darstellung der Geburtsszene Jesu als zentrales Ereignis im Christentum war eine Aufsehen erregende Neuigkeit. Und so ging auch Erzherzogin Maria Anna „Kripperl schauen“. Das war, so die Überlieferung, auch die Geburtsstunde des schönen Brauchs, der noch heute die Steirer in die Gotteshäuser des Landes zieht.

Aber auch in vielen Haushalten sorgen verschiedenste Krippen - egal ob handgeschnitzt oder als Fabriksware - für weihnachtliche Stimmung. Doch wie fanden sie eigentlich Eingang in die privaten Wohnungen?

Dazu muss man bis zum ausgehenden Mittelalter zurückgehen: Die Franziskaner trugen die frohe Botschaft der Menschwerdung Christi in die Bevölkerung. „Die Jesuiten verbreiteten dieselbe Kunde, aber eher im gebildeten Bereich. Im Zuge der Gegenreformation dann systematisch“, erklärt der Leiter des Grazer Diözesanmuseums, Heimo Kaindl.

Das Krippenaufstellen in Kirchen wird Mode
Die Jesuiten stellten (wie in Graz) also Krippen auf, um die Weihnachtsgeschichte zu transportieren - und die Idee kam so gut an, dass sie andere Pfarren kurzerhand kopierten. „Mitte des 18. Jahrhunderts hat es dann viele Krippen in steirischen Kirchen gegeben“, weiß Heimo Kaindl.

„Firlefanz und Theater“: Krippenverbot erlassen
Der Reformeifer Kaiser Josefs II. machte zur Zeit der Aufklärung bekanntlich auch nicht vor Klöstern und Ordenshäusern Halt - und so wurden die Krippen aus den heiligen Hallen verbannt: „Das ist reiner Firlefanz und Theater“, soll der Herrscher gesagt haben.

Die Kunstwerke verschwanden aber nicht komplett, sondern lediglich aus den Augen der Öffentlichkeit - und tauchten in Adelshäusern wieder auf. Oftmals gekauft aus dem alten Kirchenbestand. Danach fanden sie auch Eingang in die Bürger- und die Bauernhäuser. Als 1804 auch das Krippenverbot aufgehoben wurde, war der Siegeszug der privaten Hauskrippen nicht mehr aufzuhalten.

Erzherzog Johann und Peter Rosegger als Krippen-Fans
Das bemerkte übrigens auch Erzherzog Johann. Der „steirische Prinz“ bewunderte bei einem Weihnachtsfest einer nahen Verwandten den neumodischen Christbaum. Was ihm allerdings schmerzlich fehlte, war das „Kripperl“ unter der Tanne.

Auch Peter Roseggers Schriften kurbelten die häusliche Kripperl-Tradition in der Steiermark an. Der große Heimatdichter aus Krieglach hielt Weihnachten und die damit verbundenen christlichen Bräuche sein Leben lang hoch.

„Was bleibt, ist die Parallelstellung der Krippen hierzulande, sowohl in den Privathäusern als auch in den Kirchen“, sagt Kaindl.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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