13.12.2020 09:00 |

Ombudsfrau

Pflege: Beschwerden seit Pandemie verdoppelt

Die steirische Pflege-Ombudsfrau Michaela Wlattnig über die Probleme in der Pflege während Corona und Missstände in den Heimen.

Mit welchen Beschwerden wenden sich die Menschen an Sie?
Seit Beginn der Pandemie haben wir über 400 Beschwerden erhalten, das ist eine Verdoppelung. Die meisten betreffen Besuchsregelungen und Ausgangsbeschränkungen, aber auch die Schutzausrüstung. Es ist heikel: Etwa das Androhen von Quarantäne, falls der Patient von seiner Familie abgeholt wird. Solche Maßnahmen darf ein Pflegeheim nicht verhängen.

Was, wenn es Probleme mit einer 24-Stunden-Betreuung gibt?
Das sind keine ausgebildeten Pflegekräfte, sondern Personenbetreuer. Da haben wir keine Möglichkeiten. Es bräuchte eine Rechtsgrundlage und Qualitätskriterien, die eingefordert und kontrolliert werden können.

Wo werden die meisten Menschen betreut?
Etwa 80 Prozent werden zuhause betreut, der Rest in Pflegeheimen. Deswegen ist es besonders wichtig, dass man pflegende Angehörige unterstützt - etwa durch Tageszentren oder Kurzzeitplätze.

Was, wenn man sich Pflege nicht leisten kann?
Den Pflegeregress in der stationären Pflege gibt es nicht mehr. Wenn das Pflegegeld nicht reicht, dann greift man nicht auf das Vermögen zu. Bei mobilen Leistungen geht das aber schon. Das ist eine Benachteiligung.

Braucht man nicht mehr Heime?
30 Prozent der österreichischen Heime sind in der Steiermark. Es dürfen keine neuen Betten bewilligt werden, einige stehen leer. Der Wille der Menschen, wo sie leben wollen, muss berücksichtigt werden.

Vor welchen Problemen steht die stationäre Pflege?
Man hat durch die Pandemie gesehen, dass stationäre Einrichtungen sehr brüchige Systeme sind. Die Pflege im Heim sollte die letzte Möglichkeit sein, wenn es im eigenen Umfeld nicht mehr möglich ist. Auch hier braucht es umfangreichere Qualitätskriterien. Wir wollen auch schon lange eine Anhebung des Personalschlüssels und bessere Rahmenbedingungen für das Personal, damit nicht ein ständiger Mindeststand herrscht.

Wenn Angehörige einen älteren Menschen betreuen, sind das meist Frauen. Ist das nicht ein Problem?
Das stimmt, es sind meistens Frauen, die die Betreuung und Pflege unentgeltlich leisten. Diese unglaublich fordernde Aufgabe muss honoriert werden und pflegende Angehörige müssen unbürokratisch entlastet werden.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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