15.11.2020 10:00 |

Expertin erklärt

Gerechte Stadtplanung: Neue Perspektiven für Graz

Der Reinighausplatz ist der erste Platz in Graz, bei dessen Planung Geschlechtergerechtigkeit eine Rolle spielen wird. Die Grundannahme: Frauen bewegen sich im öffentlichen Raum anders als Männer. Was genau dahinter steckt und wieso es manche Menschen in der Stadt schwerer haben, erklärt Alexandra Würz-Stalder, Dozentin für Stadtentwicklung und Architektur an der Fachhochschule Joanneum.

Dunkle Straßen und Plätze, enge Gehsteige, unsichere oder keine Sitzgelegenheiten: All das sind Dinge, die für manche Menschen den Alltag in der Stadt erschweren. Zum Beispiel für Frauen, die sich abends im Dunkeln unsicher fühlen und deswegen gewisse Plätze meiden. Oder für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwägen, die am Gehsteig in die Enge getrieben werden. Oder für ältere Personen, die sich öfter hinsetzen müssen.

Aber das muss nicht so sein. Der Wettbewerb um die Gestaltung des Reinighausplatzes ist der erste, bei dem der Aspekt Geschlechtergerechtigkeit miteinbezogen wird. Alexandra Würz-Stadler von der Fachhochschule Joanneum berät die Jury. „Unterschiedliche Gruppen nutzen den öffentlichen Raum unterschiedlich“, sagt sie. „Man soll ihnen allen gerecht werden, damit nicht nur einzelne Gruppen einen Platz nützen.“ Konkret bedeutet das: Vielfältige Sitzgelegenheiten, bessere Beleuchtung, breite Wege, Barrierefreiheit und gute Orientierung. „Das ist ein Mehrwert für alle“, ist sich die Architektin sicher.

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Wir halten uns vor allem in Innenräumen auf – und leiden darunter. Dabei sollten wir den öffentlichen Raum zurückerobern.

Alexandra Würz-Stalder

Autos haben im Verkehr immer noch Vorrang
Den Status quo sieht Würz-Stalder kritisch. „Der öffentliche Raum ist als Verkehrsraum definiert. Im Fokus steht das Auto.“ Und das wird tendenziell öfter von Männern benutzt, weiß Frauenstadträtin Judith Schwentner (Grüne): „Frauen haben seltener ein Auto, und sie fahren es seltener. Sie nehmen eher die Öffis und gehen zu Fuß.“

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Bei den nächsten Plätzen muss man die Bedürfnisse von Frauen, von Kindern, von allen miteinbeziehen. Jetzt plant man aus Männersicht.

Frauenstadträtin Judith Schwentner (Grüne)

Vor 30 Jahren habe Graz eine Vorreiterrolle in der Verkehrsplanung gehabt: das Tempolimit 30, erste Radwege. „Jetzt werden wir von anderen Gegenden überholt“, sagt Würz-Stalder. Wichtig wären ihr zum Beispiel mehr Fußgängerzonen in der Innenstadt oder Anbindungen in die Peripherie, auch mit dem Rad.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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