11.11.2020 16:00 |

Offline

66 Tage ohne Smartphone

Linda Meixner arbeitet normalerweise als Influencerin mit derzeit 94.000 Followern auf Instagram. Für ihre Masterarbeit in den Studiengängen Kommunikationsdesign der HTWG Hochschule Konstanz hat sie 66 Tage auf ihr Smartphone verzichtet, diesen Selbstversuch therapeutisch begleiten lassen und ein Buch gestaltet.

„Das Leben ist das, was um dich herum geschieht, während du damit beschäftigt bist, es in deinem Smartphone zu suchen“, dieser Satz sollte zum Nachdenken anregen, denn durchschnittlich verbringt ein Mensch mit einer Nutzungszeit von vier Stunden am Tag zwei Monate des Jahres am Handy. Für die Gargellnerin Linda Meixner war es erheblich mehr Zeit, denn sie hat sich über die vergangenen Jahre eine Insta-Karriere als Influencerin mit einer fünfstelligen Followerzahl aufgebaut.

Irgendwann kam der Moment als sie merkte, dass sie zu viel am Telefon ist. Sie hatte, denn sie hatte gelitten - vor allem darunter, weniger Kontakt zu Familie und Freunden zu haben. Obwohl sich eigentlich alles um die lebensfrohe und abenteuerlustige Blondine in der idyllischen Bilderbuch-Kulisse der Montafoner Berge drehte, aber eben hauptsächlich virtuell. Als sie sich entschieden hatte, doch noch ihren Master an der HTWG Konstanz zu machen, war darum auch schnell ein Thema für ihre Abschlussarbeit gefunden: 66 Tage offline. Ein harter Schnitt, persönlich und in Linda Meixners Fall auch beruflich. „Für mich war es eine Art kalter Entzug von einer Sucht, derer ich mir gar nicht bewusst war.“ Viele Phasen hat sie durchlebt in einem Prozess, den sie noch nicht für abgeschlossen hält.

Die dunklen Phasen waren dominiert von Langeweile und einer großen Angst vor Kontaktverlust. 35 Tage habe es gebraucht bis es ihr gleichgültig war, wenn sie das Smartphone gesehen hat. Um der Arbeit ein wissenschaftliches Fundament zu geben, hat Meixner die Selbstbeobachtung professionell durch eine systemische Therapie ergänzt. Die Erfahrung habe eine neue Person aus ihr gemacht, die ganz anders im Leben steht, und die unterdessen zwei Telefone besitzt: Ihr Smartphone und ein „Light-Phone“ mit elementaren Funktionen.

Die 31-Jährige möchte weiter auf einen bewussten Umgang mit dem Gerät achten, nimmt sich nun einzelne „digital Detox“-Tage, achtet auf die Bildschirmzeit und definierte handyfreie Orte für sich. Derzeit arbeitet sie an der Veröffentlichung des Buches namens „Das Offline Manifest“. Ein Erfahrungsbericht, Handbuch und Ratgeber für einen gesunden Umgang mit digitalen Medien, welchen sie illustriert hat. Und in dem der Ausschalt-Knopf mit viel zeichnerischer Ironie eine fast biblische Dimension annimmt.

Sandra Nemetschke
Sandra Nemetschke
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