08.10.2020 12:00 |

Hohe Auszeichnung

Ausseerland Brauch wird „Immaterielles Kulturerbe“

Alljährlich am 5. Dezember zieht eine Schar an Männern und Burschen mit Holzmasken und Peitschen, in Felle und Stroh gekleidet, durch Bad Mitterndorf im steirischen Salzkammergut. Dieses Nikolospiel ist seit mehr als 160 Jahren in seiner heutigen Form erhalten. Jetzt nahm die UNESCO-Kommission das Brauchtum in die offizielle Liste der Immateriellen Kulturerbe auf.

Mehr als 120 Personen sind am traditionellen Bad Mitterndorfer „Stuben-und Umzugsspiel“ im Ausseerland jährlich beteiligt. Allen voran gehen die „Strohschab“ mit langen Hörnern und im 8er Takt-schnalzend. Die weiteren Rollen teilen sich in die Hauptfiguren, die „Weißen“ und die Krampusse, die „Schwarzen“. Der imposante Masken-Zug wandert über vier Kilometer durch die Vorwinternacht und führt sein Spiel an mehreren Orten für die Bevölkerung auf.

Um die Organisation und reibungslose Durchführung kümmert sich die örtliche Nikologruppe. Martin Rainer, Obmann der Nikologruppe, freut sich über die Ernennung zum „Immateriellen Kulturerbe“ durch die UNESCO Kommission Österreich: „Viele ähnliche Bräuche sind verschwunden. Die Auszeichnung würdigt die vielen Generationen, die unser Nikolospiel in ihrer Ursprünglichkeit erhalten haben, es weiter überliefern und pflegen“, erklärt Martin Rainer.

Der genaue Ursprung des altüberlieferten Nikolospiels Bad Mitterndorf lässt sich nicht exakt bestimmen. Vermutlich gehen die Wurzeln auf die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zurück und thematisierten das Sterben des reichen Mannes, ähnlich wie beim Salzburger Jedermann. Neben finsteren Figuren treten Gegenspieler wie der Bischof Nikolaus, der Herr Pfarrer und die Engel auf. Über die Jahrhunderte formte sich daraus das Nikolospiel, welches in den Straßen und Gaststuben von Bad Mitterndorf seit mehr als 160 Jahren unverändert dargeboten wird.

Ob und wie der Umzug in Bad Mitterndorf in diesem Jahr stattfinden kann, muss die aktuelle Lage erst zeigen: „Unsere Gastgeber und Veranstalter entscheiden sehr bedacht und flexibel. Aber gerade das zeichnet ein echtes Kulturerbe aus - es überdauert auch solche Phasen“, so Pamela Binder, Geschäftsführerin Tourismusverband Ausserland-Salzkammergut.

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