03.10.2020 13:00 |

Projekt in Innsbruck

Schüler schaffen sich ihre eigene Open-Air-Klasse

Open-Air-Unterricht wird im Gymnasium der Ursulinen in Innsbruck nicht erst seit Ausbruch der Pandemie praktiziert. Die Schüler selbst planen gerade die ideale Klasse im Grünen.

Die Pausenglocke läutet. Nur ein leises Rufen aus der Ferne. Niemand springt auf, niemand stürmt aus dem Unterricht. Die Glocke ist weit weg – nicht nur räumlich. Denn heute wird draußen unterrichtet. Unter freiem Himmel. Mit anderen Geräuschen, anderen optischen Eindrücken, anderen Möglichkeiten.

Viel Platz für Sport, Musik, Mathe und Geo
Wir stehen vor der Ursulinenschule am Innsbrucker Fürstenweg. Das Gymnasium ist wie alle Tiroler Schulen Corona-bedingt dazu aufgerufen, mehr Unterricht im Freien abzuhalten und so die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. „Wir sind trotz Stadtlage privilegiert“, sagt Direktor Georg Klammer und zieht mit der Hand einen Kreis. Das Schulgebäude ist von fast 10.000 Quadratmeter Freifläche umgeben. Viel Platz für Sport, Musik, Geografie und andere Disziplinen. Wenig Raum für die Virusverbreitung.

Viertklässler als Freiluft-Architekten
Doch im Gymnasium der Ursulinen hat man keine Pandemie gebraucht, um den Nutzen von Open-Air-Unterricht zu erkennen. Wir treffen Schülerin Olivia Mader, die mit ihren Klassenkameraden gerade an einem Holzzaun werkt, der das Schulbiotop einfasst. Olivia erzählt von einem Projekt, in dem die Viertklässler ein Konzept für Klassen unter freiem Himmel erarbeiten: „Am Beginn stand eine Umfrage unter Lehrern und Schülern. Was sie erhoffen, was sie vielleicht befürchten.“ Das Ergebnis: Alle sind überzeugt, dass der Außenraum neue Impulse einbringt. Dass dort die Gedanken leichter die Welt da draußen erfassen können. „Dass es nicht so laut und so stickig wie manchmal in den Klassen ist“, bringt Olivia eine ganz praktische Überlegung aus der Umfrage ein.

Ein Lernbiotop mit der Natur als Lehrerin
Ja, wir wollen mehr hinaus! Das war unterm Strich der Tenor. Jetzt haben die Jungplaner die nächste Phase eingeleitet. Mit Hilfe von Architekten aus dem Kreativraum „bilding“ wird ein Prototyp für ein Freiluft-Klassenzimmer geplant. „Es soll ein Raum entstehen, den Lehrer wie andere Klassenzimmer buchen können. Mit Möbeln, die sich dem Unterricht in der Natur anpassen. Ein Biotop, in dem sich die Schüler entfalten können“, findet Projektkoordinatorin und Werklehrerin Katrin Lüth ein schönes Bild. Lüth ist überzeugt, dass die Natur nicht nur für Sport, Musik und Biologie eine gute Lehrerin ist. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass es zwischen März und November viele Gelegenheiten für das Hinaus gibt. Auf der schuleigenen Langlaufloipe können die Jugendlichen sogar im Winter beim Umrunden ihres Bildungszuhauses den Kopf frei kriegen.

Unterricht vor der Tür – bei den Ursulinen ist dieses Konzept nicht erst mit Corona eingezogen. Und es wird nach der Pandemie bleiben.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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