20.09.2020 17:00 |

Markus Gimbel

Nicht jeder kann seinen Job per Video ausüben

Markus Gimbel aus Söll ist seit vielen Jahren als Zauberer und Bauchredner tätig. Er redet darüber, wie die Zeit im Lockdown war, wie es jetzt ist und wie es wohl sein wird.

Wann und wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Ich mache das nun bereits seit 30 Jahren. Damals habe ich einen Zauberer kennengelernt und bin mit ihm etwa zwei Jahre durch Europa gereist. Anfang der 90er-Jahre trainierte ich mit eigenen kleinen Engagements. Später habe ich noch eine Sprach- und Schauspielausbildung gemacht, damit das eine runde Gschicht’ ist. Es war für mich von Anfang an eine Berufsentscheidung.

Wie sah es mit ihren Aufträgen ab März aus?
Eigentlich ist bei uns ja immer Saison, denn Veranstaltungen gibt es normal das ganze Jahr über. Aber von 8. März bis 5. Juli war kompletter Stillstand. Ich habe die Zeit genutzt, um bei meiner Familie zu sein. Als 1-Personen-Unternehmen konnte ich in dieser Zeit vom Härtefallfonds profitieren. Aber es gibt natürlich viele, die am Radar nicht aufscheinen. Ich weiß auch von Kollegen, die deswegen ihr Gewerbe komplett ruhend stellen mussten.

Hätten Sie über Videotelefonie arbeiten können?
Ich habe das nicht ausprobiert. Varieté, Kabarett und Stand-up funktionieren nur mit Publikum. Es lebt von Emotionen und Timing, das ist alles abgestimmt. Jeder, der im Lockdown „gestreamt“ hat, kam schnell drauf, dass es nichts bringt.

Gibt es derzeit ein großes Bedürfnis nach Spaß?
Der Grundtenor ist sehr positiv. Unterm Strich sind wir ja alle Menschen – Spaß am Leben zu haben liegt irgendwo in unserer DNA. Und die Leute können bei der Vorführung in dieser ungewissen Zeit für eine Stunde auch einfach abschalten.

Wie sieht es mit der Einhaltung des Abstandes aus?
Ich habe zuletzt im Freien gearbeitet und da haben wir die Bänke passend zur Einhaltung des Sicherheitsabstandes aufgestellt. Aber sobald die Show losging, rückten alle zusammen, um näher dran zu sein. Da kann ich dann nicht schulmeistern, das ruiniert die Show.

Wie ist die Stimmung bei den Veranstaltern?
Ich habe mit einigen Veranstaltern gesprochen, der Grundtenor ist, dass erst Ende 2021 alles wieder normal ist. Heuer wird es viel weniger Weihnachtsfeiern, Galas, Geschäftseröffnungen und so weiter geben. Es ist eine gewisse Unsicherheit da, immerhin haftet der Veranstalter zivilrechtlich – das tut sich keiner an. Es wird schon Events geben, aber dann eher kurzfristig und in abgespeckter Form.

Sind Sie grundsätzlich eher positiv eingestellt?
Das liegt in meiner Natur, logisch bin ich positiv eingestellt. Aber es überlebt der, der sich am schnellsten anpasst. Dann tritt man mal mit Mundschutz auf – wer sich weigert, soll dann nicht jammern. Ich hoffe nur, dass sich in Zukunft auch ein paar mutige Veranstalter für uns Künstler einsetzen.

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
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