13.09.2020 08:00 |

Experte im Interview

Warum sterben so viele Steirer an Herzinfarkt?

Am heutigen Sonntag ist das Finale der „2. Grazer Herzkreislauftage“, bei der Behandlungsstrategien und Forschungsergebnisse besprochen wurden. Wie führt man in Coronazeiten so einen Riesenkongress durch? Und warum sterben so viele Steirer an Herzinfarkt? Prof. Andreas Zirlik hat der „Krone“ diese Fragen beantwortet.

Eine dreitägige Veranstaltung mit Hunderten Teilnehmern - wie führt man das in diesen Zeiten durch?
Es sind nur 80 der Teilnehmer direkt in Graz und das unter viel strengeren Sicherheitsauflagen, als sie vorgeschrieben wären. 400 Spezialisten vor allem aus dem deutschsprachigen Raum sowie internationale Gäste nehmen online teil, es ist also eine Kombi, eine Hybridveranstaltung.

Wie viele Steirer sterben an Herzkrankheiten?
Im Vorjahr waren es 333.000 Österreicher, auch in der Steiermark sind Probleme rund ums Herz Todesursache Nummer eins. Früher war das ein Problem nur der Industriestaaten, heute ist das weltweit so.

Was sind die Gründe?
Vor allem der Lebensstil. Die Risikofaktoren sind mittlerweile allen bekannt, Rauchen, Übergewicht, wenig Bewegung, schlechte Ernährung, Diabetes. Besonders gefährlich wird es, wenn mehrere Faktoren in Kombination zusammen kommen.

Hat das auch Auswirkungen auf Corona?
Interessante Frage, ein klares Ja dazu. Wenn Betroffene eine Herzerkrankung haben, dann hat man bei einer Covid 19-Infektion das Risiko, dass diese einen schwereren Verlauf nimmt. Welche Mechanismen da zusammen wirken, ist man gerade dabei aufzuschlüsseln, auch mit hohem Blutdruck oder einer Diabetes-Vorerkrankung ist das Risiko für einen heftigeren Verlauf deutlich höher. Ursache dürfte sein, dass Begleiterkrankungen generell das Immunsystem schwächen.

Bei den Herzkreislauftagen ist auch eine Impfung gegen Arteriosklerose Thema. Wie sieht es damit aus?
Einer unser Hauptredner, Klaus Ley, verfolgt das Thema seit Jahren. Auf indirektem Weg gibt es erste Ansätze, soll heißen, dass man dabei ist, einen Impfstoff gegen Risikofaktoren wie hohes Cholesterin zu entwickeln. Man ist in klinischen Studien jetzt in Phase 2.

Ist so eine Schutzimpfung dann nicht ein Freifahrtsschein, schlechte Gewohnheiten beizubehalten?
Wenn es nur um Lebensstil ginge, möglicherweise ja. Es ist ja auch bei Medikamenten durchaus manchmal so, dass man schlechte Gewohnheiten durch ein Pulverl kompensiert. Es gibt aber auch genetische Faktoren, warum man zu hohes schlechtes Cholesterin hat.

Die Herzabteilung des Klinikums in Graz hat durchaus turbulente Zeiten hinter sich. Segelt das Schiff jetzt wieder auf ruhigerem Kurs?
Ich bin seit zwei Jahren Leiter - ja. Einer meiner Schwerpunkte ist auch, dass ein Patient fächerübergreifend behandelt wird. Wenn jemand Probleme hat, ist ihm egal, ob er in die Chirurgie oder Ambulanz muss. Er will ganzheitlich gesehen werden und gesunden. Das ist mein Fokus.

Andreas Zirlik ist Leiter der klinischen Abteilung für Kardiologie an der Grazer Meduni. Der gebürtige Deutsche, der auch in Harvard gelehrt hat, ist seit zwei Jahren in Graz, einer seiner Schwerpunkte ist fächerübergreifende Behandlung von Herzpatienten sowie Bewusstseinsbildung für die Problematik.

Christa Blümel
Christa Blümel
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