30.08.2020 12:00 |

Steiermark History

Roseggers Kampf gegen die „Hoamatkrankheit“

Der steirische Heimatdichter litt lange Zeit an Asthma und versuchte sein Leiden mit allerlei Mittelchen und Methoden zu kurieren. Dabei standen sich Schulmedizin und die alternative Heilkunst nicht im Weg.

Tannenharz und Pechöl und ein alter Beinbrucharzt und Zahnbrecher sind in dieser waldschattigen Welt die ganze medizinische Fakultät“, erinnerte sich Peter Rosegger im Jahr 1875 an die ärztliche Versorgung in Alpl Mitte des 19. Jahrhunderts. Die lebendigen Kindheitserfahrungen mit der Naturheilkunde waren sein Lebtag lang willkommene Begleiter. Denn der große steirische Heimatpoet war in Gesundheitsfragen stets ein Suchender, ein Grübler und Zweifler, so wie es viele Steirer auch heute sind. Peter Rosegger traute der Schulmedizin nicht blind, sondern liebäugelte mit alternativen Heilmethoden.

Lange Reisen machten dem Dichter zu schaffen
Medizinische Hilfe hatte der Dichter von Kindesbeinen an in Anspruch nehmen müssen, der Peter war ein schwächlicher Bub, erkrankte sogar einmal an einer Lungenentzündung. „Irgendwie schien von Anfang an festzustehen, dass aus ihm kein Bauer werden würde. Aber auch die vorgesehene Priesterlaufbahn und eine Buchhandelslehre scheiterten ebenso wie längere Reisen – und zwar an seinem Gemüt“, weiß der Grazer Historiker Norbert Weiss, der sich in einem wissenschaftlichen Aufsatz mit Peter Roseggers Krankengeschichte befasst hat. „Hoamatkrankheit“ lautete die gebräuchliche Bezeichnung für die Beklommenheit, die den Schriftsteller ergriff, wenn er nicht in seiner geliebten Waldheimat war.

Beim Berggehen fehlte ihm zu oft die „Luft“
Die Sehnsucht nach der „waldschattigen Welt“, wie er Krieglach und seine Umgebung liebevoll nannte, bewahrte Rosegger stets in seinem Herzen, er schnürte gerne die Wanderschuhe und ging in die Berge. Als früher Asthmatiker hatte er aber seine liebe Not damit: Beim Aufstieg fehlte ihm viel zu oft die „Luft“. Also versuchte der Literat sein Leiden mit verschiedenen Mittelchen und Methoden zu kurieren, bastelte zuweilen sogar an seiner eigenen Heilkunde: Rosegger probierte diverse Diätkuren, Pflanzennahrung, Nasenatmung und machte bestimmte Turnübungen. Er konsultierte studierte Mediziner, Kräuterfrauen, so genannte Waldärzte und wandte sich auch der Klostermedizin zu. Zwischen 1880 und 1882 unterzog er sich auch der „Drei-Brunnen-Kur“. „Peter Roseggers Resümee daraus: keine Kur mehr!“, schmunzelt Norbert Weiss.

Während des Ersten Weltkrieges verschlimmerte sich Roseggers Asthma. „Gewöhnlich bekämpfte er die Krankheit mit Zigaretten aus getrockneten Stechapfelblättern und durch die Anwendung des ,Tuckerschen Apparates’. Dabei wurde ein Kokainpräparat inhaliert“, erklärt Weiss.

Dass er der Schulmedizin aber trotzdem nicht ganz entsagte, zeigt sich daran, dass der berühmte Schriftsteller seinen Sohn Medizin studieren ließ. Eigentlich wollte dieser aber Künstler werden. Nach der Promotion nahm Sepp Rosegger 1901 eine Stelle als praktischer Arzt in Langenwang an. „Er betreute auch seinen Vater bis zu seinem Tod im Jahr 1918“, berichtet Weiss.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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