28.08.2020 13:26 |

Wintersaison 2020

Touristiker: „Null Prozent Planungssicherheit“

Vertreter der Tiroler Tourismusbranche haben Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) aufgefordert, so bald wie möglich umsetzbare Regeln für die anstehende Wintersaison zu definieren. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag in Innsbruck drängten WK-Präsident Christoph Walser und die Tourismusobmänner Mario Gerber und Alois Rainer auf eine Freitestung und klare Vorgaben.

„Momentan haben wir 0,0 Prozent Planungssicherheit“, beklagte Mario Gerber, stellvertretender Obmann der Bundessparte Hotellerie und Obmann der WK-Fachgruppe Hotellerie in Tirol: „Wird nicht bald ein umsetzbares Regelwerk präsentiert, steuern wir auf ein Desaster im Winter zu.“

In eineinhalb Monaten starte die Wintersaison in den Gletscherskigebieten, es sei deshalb höchste Zeit, konkrete Vorgaben zu präsentieren. „Es ist schon sieben nach zwölf“, mahnte Gerber.

Reaktion auf Konzept blieb aus
Ein in enger Zusammenarbeit mit dem Land Tirol und Experten ausgearbeitetes und vor zwei Monaten übermitteltes Konzept sei bisher unbeantwortet geblieben. Auf 13 Seiten sei ein Programm erarbeitet worden, das sowohl die notwendigen und streng verfolgten Sicherheitsmaßnahmen berücksichtige als auch die Notwendigkeiten für einen laufenden Betrieb. „Wir gehen proaktiv in die Sache hinein, um der Bundesregierung Vorschläge zu liefern, die umsetzbar und praktikabel sind“, so Alois Rainer, Obmann der WK-Fachgruppe Gastronomie.

Wesentlichstes Element ist hier eine mögliche Freitestung. Wer sich 15 Minuten oder mehr in einer Entfernung von weniger als zwei Metern von einem bestätigten Covid-Fall aufgehalten habe, gelte derzeit als Kontaktperson mit hohem Infektionsrisiko. Das Management dieser Personen sehe derzeit die „behördliche Absonderung bis zum Tag zehn nach dem letzten kontagiösen Kontakt“ sowie entsprechende PCR-Testungen vor. „Dass ein negatives Testergebnis die Zeitdauer der Quarantäne jedoch nicht verkürzt, ist wirtschaftlich und sozial völlig inakzeptabel“, stellte der Tiroler WK-Präsident Christoph Walser fest.

„Kein Betrieb kann sich zwei Teams leisten“
„Wenn eine Kontaktperson negativ getestet ist, muss sie Schutzmaßnahmen anwenden und sich zwei bis drei Tage ständig testen lassen. Ist die Person auch dann negativ, muss sie arbeiten oder den Urlaub fortsetzen dürfen“, so die WK-Tourismusexperten im Tenor. Dass das Gesundheitsministerium bereits Ausnahmen vom strengen K1-Management bzw. das Freitesten für verschiedene Branchen wie Pflege, Medizin und Landwirtschaft ermöglicht hat, mache Hoffnung. „Kein Betrieb der Welt kann sich zwei Teams leisten“, resümierte Walser.

Kritik an „Ampelregelung“
Scharfe Kritik übten die WK-Vertreter unter anderem auch an der Corona-Ampelregelung, die ab September gelten soll. Das Konzept sei für die Tourismusbranche „wirtschaftlich und sozial komplett unerträglich“: „Der Teufel liegt hier im Detail“, erklärte Gerber. Die positiven Testungen auf die Einwohnerzahl zu beziehen, mache in vielen Tourismusregionen keinen Sinn. „Im Kühtai (Bezirk Imst) etwa gibt es nur sechs gemeldete Einwohner. Würde hier auch nur eine Person erkranken, spränge die Ampel auf rot. Sinnvoller ist es, sich hier auf die Zahl der Gästebetten zu beziehen.“

Von
Tiroler Krone
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