28.08.2020 14:30 |

Letzter Gastdirigent

Gustavo Dudamel entfachte Sturm der Begeisterung

Der russische Pianist warf sich vergnügt in die technischen Herausforderungen, während Dirigent und die „Wiener“ sich aufs Geschichtenerzählen konzentrierten. 

Insgesamt vier Gastdirigenten hatten die Wiener Philharmoniker zu den Salzburger Festspielen gebeten. Nach Andris Nelsons, Riccardo Muti und Christian Thielemann trat am Donnerstag als letzter Gustavo Dudamel im Großen Festspielhaus ans Pult, mit solistischer Unterstützung von Evgeny Kissin. Die Letzten machten zur Begeisterung des Publikums aber nicht das Licht aus, sondern das Feuer an.

Das gegebene Programm lässt sich unter dem Begriff Virtuosität gut zusammenfassen. Sowohl Liszts Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 als auch Strawinskys „Feuervogel“ verlangen sie in hohem Maße. Liszt von der Technik des Pianisten und Strawinsky vom Zusammenspiel des Orchesters. Im Bereich der technischen Virtuosität ist Evgeny Kissin schon seit den frühen Anfängen seiner Karriere ein Fixstern. Wurde ihm lange eine gewisse Statik nachgesagt, hat er sich von dieser mittlerweile doch sehr gelöst und stürzte sich zu Beginn des Konzertes wortwörtlich in seinen sondergefertigten Steinway.

Was Liszt als Virtuosenkonzert komponierte, gab Kissin als genau solches wider, machte in den blitzsauberen Trillern jedes Hämmerchen im Flügel hörbar und trieb mit den „Wienern“ ein listiges Katz-und-Maus-Spiel, auf das sich Dudamel mit Freuden einließ. Selbst wenn Technik und Geschwindigkeit im Vordergrund standen, auch die einfühlsameren Passagen gelangen Kissin federleicht, in denen er sich mit dem Orchester die Melodien behutsam hin und her reichte. Auch seine Zugabe, Chopins „Minutenwalzer“, war ein Zeugnis seiner beeindruckenden technischen Genauigkeit, für die ihn das Publikum laut und lange bejubelte, auch wenn dabei die persönliche Note manchmal auf der Strecke blieb.

Nicht weniger anspruchsvoll war Strawinsky bei seinem „Feuervogel“, den er als ein auf verschiedenen russischen Märchen basierendes Szenario komponierte. Mit zahlreichen Anmerkungen und Beschreibungen versah er die Ballettmusik, die er 1910 für die „Ballets Russe“ schuf. Bei der Vielfalt der Vorgaben verzichtete Dudamel fast gänzlich darauf, den Wiener Philharmonikern noch zusätzlich eine eigene Interpretation aufzulegen. Viel mehr war der Dirigent darum bemüht, die auskomponierten Handlungsabläufe hörbar zu machen. Weite und Nähe schuf er mit ausgeklügelter Dynamik, tanzte der Feuervogel, forderte er auch das Orchester zum rhythmischen Bewegen auf und ließ die Streicher wie Feuerwerkskörper auf die Bühne des Großen Festspielhauses niederprasseln.

Von dieser Erzählkunst war das Publikum sichtlich angetan und brach in lauten Jubel aus, als Dudamel das geniöse Chaos letztlich in Harmonie auflöste. Zu Recht erhob er seine Solisten auch noch einmal einzeln für einen gewaltigen Applaussturm, die Geschichte vom Feuervogel hatten sie schließlich mit verteilten Rollen gespielt.

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Salzburg-Krone
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