15.08.2020 08:00 |

Werner Gröbl

Das Erfolgsgeheimnis des Tausendsassas

Das neue Leben des Werner Gröbl: Der steirische Ex-Möbelzar verrät der „Krone“, wie es gelang, ein wankendes Imperium auf Siegeskurs zu führen und welche Zukunftspläne er als Neo-Baulöwe nun schmiedet.

„Wer sind Sie eigentlich?" Als eine Mitarbeiterin eines damals in Vorarlberg eröffneten Möbelhauses ihrem Chef diese Frage stellte, stellte der sich gleichzeitig die Sinnfrage. Das war zu einer Zeit, als Gröbl Möbel der Platzhirsch in der Steiermark war, die unangefochtene Nummer eins, sieben Filialen in der Grünen Mark hatte, ebensoviele außerhalb, und noch weiter expandieren hätte können.

Eine kleine unschuldige Frage war der Anfang vom Ende des großen steirischen Möbelhauses. „Außen ist zwar Gröbl Möbel draufgestanden, drinnen aber nicht mehr“, resümiert Werner Gröbl. Vielleicht war das Unternehmen einfach zu groß geworden. 1100 Mitarbeiter, drei Milliarden Schilling Umsatz: Diese Erfolgszahlen standen zum Schluss in den Büchern.

Mit 21 Jahren Chef des Möbelimperiums
Eingestiegen war Gröbl 1982 mit blutjungen 19 Jahren. Damals hatte der gebürtige Köflacher die Mitarbeiter - 89 an der Zahl - alle noch gekannt. Und sie ihn. Als er mit 21 Jahren das Firmenzepter ganz übernahm, übernahm er auch einen angeschlagenen Betrieb mit Schulden. Aber da Kämpfen dem 57-Jährigen im Blut liegt - „ich musste schon bei meiner Geburt kämpfen“ -, nahm er auch diese Herkulesaufgabe auf sich.

„Im ersten Jahr habe ich schon zehn Prozent Umsatzplus gemacht und fünf Millionen Schilling Gewinn“, schmunzelt Gröbl. Das grenzte damals beinahe an ein Wunder. Denn viele glaubten nicht an den Erfolg des „Jungspundes“; auch einige der Beschäftigten waren mehr als skeptisch, zumal schon zuvor eine Firmenübernahme innerhalb der Familie gescheitert war.

Aber das war mehr Ansporn denn ein drohendes Damoklesschwert über dem Nacken des 21-Jährigen, der schon damals gerne seiner Zeit voraus war. Ein Visionär sozusagen. Ein Beispiel gefällig? Schon 1984 hatte er eine Marktforschung in Auftrag gegeben und war gleichzeitig selbst kostenloser „Marktforscher“. „Ich bin schon Jahre zuvor als Teenager mit den Tischlern beim Möbel-Ausliefern mitgefahren und habe gesehen, wie der Hase läuft und wo der Schuh drückt.“ Die Erkenntnis daraus: die Einführung von Leistungslohn und cleverem Marketing.

TV-Star Karl Moik nahm ihm das Lampenfieber
Und wieder war es der Möbelzar, der höchstselbst auf der neuen Werbewelle surfte und sein Gesicht in Zeitungen und Fernsehen „katapultierte“. Ganz wie Fotokönig Franz Josef Hartlauer, der sich bei jedem Musikantenstadl ins rechte Kameralicht rückte, setzte auch er auf kluge Eigen-PR. Sprang etwa bei der Eröffnung des Möbelhauses in Liezen wagemutig vom Bungeeturm, gab in unzähligen Rennen Gas auf dem Motorrad und im Rennauto. Die erste Runde am neuen Ring in Spielberg drehte übrigens er - gemeinsam mit dem damaligen Jung-Landesrat Gerhard Hirschmann.

Dabei war Werner Gröbl eigentlich ein schüchterner Steirer-Bua. Als er 20.000 Menschen vor den Türen des neuen Möbelcenters in Lieboch sah, wollte er die Begrüßung dem Musikantenstadl-Routinier Karl Moik überlassen. „Begrüßen tut immer noch der Hausherr“, lehnte der Moderator ab. Und: „Du kannst dich bei jedem da draußen nur einmal blamieren.“ Und schon stand Gröbl auf der Bühne, die die Möbelwelt bedeuteten. Guat is ’gangen, nix war g’schehn - und von da an war die Angst weg.

Aber zurück zum Aus des erfolgreichsten Möbelimperiums in der Steiermark: Zwei Tage nach dem schicksalhaften Vorarlberg-Intermezzo schob Gröbl dem Lutz-Chef einen Pack Unterlagen am Tisch entgegen und sagte: „Übernimm du!“ „Es war eine Win-win-Situation für beide“, formuliert er rückblickend. Tatsächlich brachte er sein Unternehmen 2001 sehr gewinnbringend an den Mann.

Die neuen Zukunftspläne des Werner Gröbl
„Meine Mission war erfüllt, mit dem Verkauf war ich frei“, erinnert sich der heutige Baulöwe. Es war eine Last, die abfiel - am Höhepunkt des Erfolgs war der Wahl-Göstinger in ein Burn-out geschlittert. Der Erfolg ist dem Weinliebhaber treu geblieben, für (Bau-)Projekte hat er nach wie vor ein goldenes Händchen. Zahlreiche stehen gerade in den Startlöchern, wie etwa die Wiederbelebung eines alten Gasthofes auf der Pack (wir berichteten). Privat und unternehmerisch sind seine Frau Karin und er ein starkes Team, das sich nicht auf den Lorbeeren ausruht: „Ich glaube, dass ich meine Ziele konsequenter als andere verfolge - und dass ich sie erreichen kann, wenn ich tue, was dafür notwendig ist“, sagt Gröbl.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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