06.08.2020 06:00 |

Aktuell sind es 77.000

Schon über 272.000 Steirer waren in Kurzarbeit

Dunkle Wolken über dem steirischen Arbeitsmarkt. Experten rechnen spätestens im Frühjahr mit einer wahren Insolvenz-Welle und einem weiteren Anstieg der Arbeitslosen.

Der nächste Tiefschlag für den steirischen Arbeitsmarkt: Nach der Insolvenz von ATB, von der in Spielberg 360 Mitarbeiter betroffen sind, teilte am Mittwoch voestalpine mit, dass man in der Steiermark an die 550 Stellen abbauen wird.

Und das wird in diesem Jahr wohl nicht die letzte Hiobsbotschaft für die weiß-grüne Wirtschaft gewesen sein. „Wir gehen davon aus, dass es im Herbst zu einer neuerlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit kommen wird. Die monetären Reserven vieler Unternehmen sind aufgebraucht - dazu werden dann auch noch die gestundeten Zahlungen fällig. Im kommenden Frühjahr rechnen viele Experten deshalb sogar mit einer regelrechten Insolvenz-Welle“, blickt Karl-Heinz Snobe, Geschäftsführer des AMS Steiermark, alles andere als optimistisch in die Zukunft.

Dabei hat die Einführung der Corona-Kurzarbeit noch schlimmere Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt abgefedert. „Allein in der Steiermark hätten wir ohne die Kurzarbeit an die 50.000 Arbeitslosen mehr“, ist Snobe überzeugt. Mit Stichtag 3. August waren in unserem Bundesland exakt 77.017 Menschen in Kurzarbeit - insgesamt waren es bisher schon über 272.000, was fast der Einwohnerzahl der Landeshauptstadt Graz entspricht.

Kurzarbeit kostete bisher über 4 Milliarden Euro
Zur Finanzierung wurden bisher rund 515 Millionen Euro vom AMS, das für den Bund das „Projekt“ abwickelt, an über 14.000 steirische Betriebe ausbezahlt - österreichweit sind es bisher über 4 Milliarden Euro! Dass die Corona-Kurzarbeit von der Bundesregierung ab 1. Oktober für weitere sechs Monate verlängert wurde, erachtet der steirische AMS-Chef als sinnvoll. „Weil es eine Reihe von Betrieben geben wird, die das zum Überleben brauchen wird.“ Snobe sagt aber auch ehrlich, „dass ich kein großer Freund der Kurzarbeit bin - weil sie auf Dauer ja strukturkonservierend ist. Eigentlich sollte dieses Modell ja nur zur Überbrückung einer vorübergehenden Situation für einen absehbaren Zeitraum dienen. Auf Dauer wäre es vielleicht sinnvoller die betroffenen Mitarbeiter umzuschulen und am Arbeitsmarkt zu vermitteln.“

Aufgrund der modifizierten Regelungen rechnen Experten nun aber ohnehin damit, dass das Modell Kurzarbeit an Attraktivität verliert. Was das für den steirischen Arbeitsmarkt bedeutet, wird die Zukunft zeigen.

Auf der Jagd nach „schwarzen Schafen“
Der Großteil der Unternehmer hält sich beim Thema Kurzarbeit freilich an die „Spielregeln“. Doch einige wenige versuchen sich mit Tricksereien zu bereichern. „Weil dieses Modell so flexibel gestaltet wurde, ist eben auch die Möglichkeit der Manipulation sehr hoch“, weiß Wilfried Lehner.

Der Wahlsteirer ist Chef der Finanzpolizei Österreich und als solcher mit seiner Truppe aktuell voll gefordert. „Wir bekommen vom AMS die Kurzarbeitsliste und checken diese dann im Rahmen unserer Beschäftigungskontrollen vor Ort ab.“ Österreichweit wurden bisher bei rund 150 Unternehmen Manipulationsversuche (etwa bei der Arbeitszeiterfassung) festgestellt - diese müssen mit Geldstrafe bis zur doppelten Höhe des hinterzogenen Betrags und sogar Haftstrafen rechnen.

Verunsicherte Mitarbeiter
Bei der Arbeiterkammer Steiermark registriert man auch eine steigende Verunsicherung unter den Arbeitnehmern. „Nach der ersten Durchrechnungsphase sind die diesbezüglichen Anfragen um knapp 30 Prozent angestiegen - wir gehen davon aus, dass sich dies weiter vervielfachen wird“, sagt Werner Anzenberger, Leiter des Bereich Soziales in der AK. Ein großes Problem sei nach wie vor, dass viele Mitarbeiter ihre eigene Kurzarbeitsvereinbarung nicht genau kennen.

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